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Im Gespräch | Beitrag vom 25.11.2020

Expeditionsleiter Markus Rex"Sobald ich an Land bin, vermisse ich das Eis"

Moderation: Ulrike Timm

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Markus Rex in Schutzkleidung mit der "Polarstern" im Hintergrund (Markus Rex)
Ein Jahr lang war Polarforscher Markus Rex in der Arktis unterwegs. (Markus Rex)

Er leitete die größte Arktis-Expedition aller Zeiten: der Potsdamer Physiker Markus Rex. Eingeschlossen im Eis driftete sein Schiff durch das Nordpolarmeer. Kälte, Dunkelheit, Eisbären forderten alles von den Forschern – und dann kam Corona.

Als Atmosphärenphysiker ist Professor Markus Rex eigentlich ein nüchterner Forscher. Aber wenn er von seinen Expeditionen in die Arktis berichtet, kommt er ins Schwärmen: über das brillante Schwarz der stockfinsteren Polarnacht oder die absolute Stille, in der man das Aufprallen einer Schneeflocke hören könne.

Diesen Enthusiasmus hat Markus Rex gut brauchen können, als er die größte Arktis-Expedition aller Zeiten leitete, die vor sechs Wochen zu Ende gegangen ist: MOSAiC, ein gewaltiges Projekt mit mehreren hundert Wissenschaftlern aus 20 Ländern. Forschung extrem bei Temperaturen bis minus 40 Grad Celsius.

Festgefroren im Eis

Ein ganzes Jahr lang befuhr der deutsche Forschungseisbrecher "Polarstern" die Region rund um den Nordpol, monatelang war er dabei absichtlich festgefroren an einer Eisscholle.

Das Ziel laut Markus Rex: das "komplexe Räderwerk" des Klimageschehens in der Arktis besser verstehen, um genauere Voraussagen für den globalen Klimawandel treffen zu können.

Markus Rex (Alfred-Wegener-Institut)"Das Eis ist ein tückischer Freund", sagt Polarforscher Markus Rex. Er hat es in der Arktis selbst erlebt. (Alfred-Wegener-Institut)

Rex und seine Teams waren die ersten, die während der Polarnacht moderne Forschung am Pol betrieben. Auf der Eisscholle, an der die "Polarstern" festgemacht hatte, errichteten sie eine kleine Wissenschaftsstadt mit Dutzenden von Messstationen. Die sie immer wieder retten mussten, wenn das Eis riss: "Das Eis ist ein tückischer Freund", sagt Polarforscher Rex.

Vom "Polarvirus" befallen

Und dann waren da noch die Eisbären. Fast alle Forscher wurden im Schießen ausgebildet, ständig gingen bewaffnete Patrouillen übers Eis, um die Wissenschaftler vor den gefährlichen Tieren zu schützen. Zum Glück kamen weder Bären noch Menschen zu Schaden.

Buchcover zu "Eingefroren am Nordpol" (C. Bertelsmann/Deutschlandradio)In seinem Logbuch erzählt Markus Rex von seiner Expedition mit dem Eisbrecher "Polarstern". (C. Bertelsmann/Deutschlandradio)

Markus Rex hat seit 1992 unzählige Expeditionen in Arktis und Antarktis gemacht. Er sei vom "Polarvirus" befallen, räumt der Physiker ein: "Sobald ich an Land bin, vermisse ich das Eis."

Herausforderung Corona

Doch trotz aller Erfahrung war er nicht auf das vorbereitet, was, nachdem die Polarnacht überstanden war, seine Expedition fast zum Scheitern gebracht hätte: Corona.

Zwar war die seit Monaten isolierte "Polarstern" wahrscheinlich der vor dem Virus sicherste Ort der Welt. Doch wegen des Lockdowns brach die Versorgung der Expedition zusammen, Eisbrecher und Flugzeuge mit Nachschub blieben fort. Das mehr als 140 Millionen Euro teure Projekt stand vor dem Aus.

Die Rettung: Die "Polarstern" verließ ihre "Heimatscholle" für eine Weile, besorgte Nachschub, nahm neue Wissenschaftler an Bord und schaffte es zurück zu ihrer Forschungsstation auf dem Eis.

Grundlage für Entscheidungen zum Klimaschutz

Einen "riesigen Datenschatz" zu Klima und Wetter, Eis und Tierwelt der Arktis brachten Markus Rex und seine Mitstreiter schließlich vom Nordpol mit. Die Auswertung wird Jahre dauern. "Wir schaffen ganz neutral die wissenschaftlichen Grundlagen für die wichtigen Entscheidungen", die die Politik zum Klimaschutz treffen müsse, sagt Rex.

Und da in einer Demokratie letztlich die Bevölkerung den Kurs bestimme, setzt Rex auch auf mediale Breitenwirkung: Ein Kamerateam hat die Wissenschaftler im Eis auf Schritt und Tritt begleitet, gerade hat Rex sein Logbuch der Reise veröffentlicht, ein Bildband und ein Kinderbuch folgen.

(pag)

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