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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 05.06.2019

Ex-Korrespondent Hermann Krause"Wir müssen ein gutes Verhältnis zu Russland haben"

Moderation: Susanne Führer

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Hermann Krause steht mit einem Mikrofon der ARD vor einer verschneiten Winderlandschaft in Moskau. (WDR/Kostja Krasnobajew)
Mit dem ARD-Mikro in Moskau: Seit 1. März ist Hermann Krause im Ruhestand. (WDR/Kostja Krasnobajew)

"Aus Moskau: Hermann Krause." Tausende Male haben wir das im Radio gehört, viele Jahre hat der Hörfunk-Journalist von dort berichtet. Als ARD-Korrespondent ist er nun in den Ruhestand gegangen, aber es gibt noch einiges für ihn in Moskau zu tun.

Als Hermann Krause zum ersten Mal für die ARD aus Moskau berichtete, gab es noch die Sowjetunion. Die Lebenswirklichkeit im real existierenden Sozialismus war für den jungen Radiokorrespondenten aufregend und auch exotisch:

"Es gab kein Land, in dem es so viele Verbote gab, wie in der Sowjetunion. Und es gab nirgendwo so wunderbare Anarchisten wie dort, die sich nie dran gehalten haben. Und die immer das 'dyrka', das Loch im Zaun suchten, um irgendetwas zu machen, das eigentlich nicht erlaubt war, aber um eine gewisse Form von Freiheit umzusetzen."

Wer ist Maria?

Ein bisschen Anarchie erlaubte sich Hermann Krause auch bei der Hochzeit mit seiner deutschen Frau in Moskau 1992. Maria hieße sie, schwindelte er in der russisch-orthodoxen Kirche, weil ihr echter Vorname Monika zu katholisch klang:

"Es war eine komplette russische Hochzeit, wo der Pope, der Priester, immer um einen herumgeht, wo Kronen einem auf den Kopf gehalten werden. Und der Priester sagte dann immer: 'German i Maria'. Und als es dann vorbei war, kam Gerd Ruge zu mir und sagte: 'Wir wissen zwar, German bist du, aber wer ist Maria?'"

"Die deutsche Geschichte hat mich wirklich eingeholt"

Seit 1. März ist Hermann Krause als Korrespondent im Ruhestand, doch er lebt weiter in Moskau, "weil diese Stadt einfach hinreißend ist und weil dieses Land für uns wichtig ist, also für uns Deutsche besonders." Darum arbeitet Hermann Krause weiter, er leitet jetzt das Moskauer Büro des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Und das hat auch 74 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs viel zu tun - jedes Jahr findet der Volksbund die Gebeine von tausenden in Russland verschollenen deutschen Soldaten:

"Ich habe mich mit deutscher Geschichte auch nie so beschäftigt. Aber jetzt, muss ich sagen, hat sie mich wirklich eingeholt. Wenn man nachliest, was ist da passiert in Leningrad damals bei der Blockade, in Stalingrad, das ist wirklich unglaublich. Und das darf einfach nicht vergessen werden."

Kritik am System Putin

Dabei beobachtet der Vollblut-Journalist Hermann Krause die politische Lage im heutigen Russland natürlich weiter und spart nicht mit Kritik am System Putin:

"Das ist im Moment leider die innenpolitische Situation, dass man versucht, alle liberalen Kräfte zu unterdrücken, und mit Sanktionen droht, mit Gefängnis droht. Leute werden ins Gefängnis geschmissen. Das ist leider eine Entwicklung, die im Moment zu beobachten ist, und die uns alle mit großer Sorge erfüllt."

Dennoch sollte sich Deutschland nicht von Russland abwenden:

"Wir müssen ein gutes Verhältnis zu Russland haben. Wir müssen sehen, dass wir eine friedliche, eine kameradschaftliche, eine freundschaftliche Beziehung aufbauen, trotz all der Probleme, trotz aller politischen Differenzen."

(pag) 

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