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Tonart | Beitrag vom 29.10.2018

Eva Klesse und ihr neues Album "Miniatures" Alles ist gut

Von Matthias Wegner

Eva Klesse auf dem Jazzfest Münster 2017 (Ansgar Bolle)
Eva Klesse auf dem Jazzfest Münster 2017. (Ansgar Bolle)

Reduziert, unaufgeregt und melancholisch – so klingt das neue Album der Schlagzeugerin Eva Klesse. Mit ihrem Quartett spielt sie seit 2014 zusammen. " Mit dieser Band habe ich immer das Gefühl, es wird alles gut werden", sagt Eva Klesse.

"Ich beschränke mich überhaupt nicht, ehrlich gesagt. Also es hat mal jemand gesagt: 'Du spielst ja nie ein Schlagzeug-Solo' und dann viel mir irgendwann auf, eigentlich spiele ich die ganze Zeit Schlagzeug-Solo. Weil ich spiele ja die ganze Zeit, was ich will."

Reduktion in der Form

Wer den Albumtitel von Eva Klesses neuem Album wörtlich nimmt, stellt fest. So richtige Miniaturen finden sich gar nicht so zahlreich darauf. Dafür haben Eva Klesse und ihre drei Kollegen dann doch viel zu viel zu sagen. Aber eine Reduktion in der Form, die gibt es ohne Frage.   

"Das war auch so ein ganz organischer Prozess, glaube ich. Und wir hatten ja vorher oft Stücke, die so sehr ausschweifend waren, riesige Bögen. Und das war für uns ganz interessant, manchmal kommt ja was ganz Kreatives dabei heraus, wenn man sich beschränkt."

Das Eva Klesse Quartett hat viele der Stücke, die sich nun auf dem neuen Album wiederfinden schon sehr häufig auf Konzerten in den letzten zwei Jahren gespielt. Das Gute dabei: An diesen Stücken musste im Studio nicht mehr groß gearbeitet werden, sondern:

"Wir haben es alles einmal gespielt. Wir sind – ehrlich gesagt – immer mit unseren Stücken, unseren Platten ein kleines bisschen voraus. Ich fürchte schon fast, wenn wir jetzt auf Record-Release-Tour gehen, sind schon alle ganz heiß und bringen schon wieder neue Stücke mit. Da wird es dann schon – natürlich neben dem Repertoire der Platte – auch schon ganz neue Stücke zu hören geben."

"Wir sind menschlich sehr verbunden"

Eva Klesse und ihre Band sind sehr gefragt, seitdem sie 2014 beim Jazzfest Berlin auf der Hauptbühne zu beeindrucken wussten. Das Quartett hat sich seitdem personell nicht mehr verändert. Das zahlt sich aus.   

"Was mir sehr wichtig ist beim Musizieren ist ein Vertrauen. Und das ist einfach total gewachsen in diesen fünf Jahren. Weil ich jetzt das Gefühl habe, wir können auf jede Bühne dieser Welt gehen und sind sehr glücklich, da wir ja schon auf vielen Bühnen in unterschiedlichen Ländern in unterschiedlichen Situationen waren und mit keinem Schlaf und 32 Stunden Reise. Mit dieser Band habe ich immer das Gefühl, es wird alles gut werden. Wir sind menschlich sehr verbunden und eben auch musikalisch. Und dann kommt das dabei heraus." 

Melancholisches Album

Heraus kommt ein wunderbarer Gesamtsound: Unaufgeregt, aber dennoch voller Tiefe. Bei aller Dynamik, die es durchaus auch auf diesem Album gibt, lässt sich ein roter Faden erkennen: Die Melancholie. Eva Klesse sagt dazu:

"Ich glaube, das ist ein Punkt, der uns vier auf jeden Fall auch verbindet, dass wir alle diese leichte Tendenz dahin haben. Aber welcher Musiker hat das nicht, oder welcher Künstler generell. Ja, ich glaube, wir schwelgen da gerne so ein bisschen drin und das hört man auch auf der Platte."

Schönheit der Musik als Antwort auf Gewalt

Die Melancholie wird bei Eva Klesse und ihrem Quartett weiter verarbeitet zu einer großen Schönheit. Die Schönheit sei auch eine Antwort auf die viele Gewalt in unserer Zeit. Besonders eindrucksvoll auf den Punkt gebracht beim Stück "And This will be", basierend auf einem Zitat von Leonard Bernstein, das Eva Klesse zitiert:

"'This will be our reply to violence: to make music more intensely, more beautifully, more devotedly than ever before.' – Mir war dieses Zitat immer mal wieder in den Kopf gekommen, bei dem was in der Welt gerade so vor sich geht. Und dann gab es dieses Stück, das ja so ein sehr zartes, zurückhaltendes und sparsames ist und dann hat sich das Stück seinen Titel gesucht. Ist so ein bisschen ein Friedenslied, kann man sagen."

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