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Tonart | Beitrag vom 10.05.2016

Eurovision Song ContestPolitisch nur in kleinen Dosen

Amelie Ernst im Gespräch mit Oliver Schwesig

(dpa/Vladimir Astapkovich)
Die Gewinnerin aus 2014: Conchita Wurst. Die Kunstfigur fachte eine Debatte über Geschlechterbilder an (dpa/Vladimir Astapkovich)

Der ESC bietet jedes Jahr die ganz große Bühne, halb Europa sitzt vor dem Fernseher. So mancher Künstler nutzte das schon für ein politisches Statement. Laut Statuten ist das gar nicht erlaubt - doch die Künstler kennen Mittel und Wege, das zu umgehen.

Einmal im Jahr sitzt halb Europa gemeinsam vor dem Fernseher – nämlich im Mai, zum Eurovision Song Contest. Bis zu 200 Millionen Zuschauer sind weltweit dabei. Dieses Jahr werden es sogar noch mehr, denn der Contest wird erstmals auch live in die USA übertragen. 

Für die meisten am Fernseher ist es einfach ein Musikspektakel, das man mehr oder weniger begeistert mitfeiert – oder auch ignoriert. Doch immer wieder wird es auf und vor der Bühne auch politisch: Wann hat man als Land oder Künstler für seine Botschaft schließlich schon mal ein so großes Publikum…

Amelie Ernst ist Radiojournalistin und verfolgt den Songcontest schon seit vielen Jahren. Sie reist auch in diesem Jahr nach Stockholm und meint: 2016 wird es eher unpolitisch zugehen. Sehr viele Balladen wird es geben, meistens weibliche Solo-Künstler, die mit großen Gesten über die Liebe singen. Politische Songs gibt es nur zwei oder drei - der griechische und der ukrainische Beitrag fallen in diese Kategorie und damit fast ein bisschen aus dem diesjährigen Rahmen. 

Bloß keine explizite Kritik

Dabei ist das Regelwerk eindeutig: Es muss live gesungen werden, steht da zum Beispiel, es dürfen maximal sechs Personen auf der Bühne stehen und es dürfen keine politischen Positionen transportiert werden. "Die Frage ist: Was ist politisch?", meint Amelie Ernst dazu. "Besonders sensibel sind die Organisatoren vor allem, wenn es um aktuelle Politik geht." Deshalb wurde in diesem Jahr auch der ukrainische Beitrag akzeptiert, der sich mit der Deportation der Krim-Tataren im Jahr 1944 beschäftigt. Die Formel ist: "Wenn man es nicht zu explizit macht, wenn man es zweideutig belässt, sich vielleicht auf die Historie bezieht - dann kommt man durch damit", sagt Ernst. 

Doch auch drumherum gab es immer wieder Debatten um den ESC, so boykottiert die Türkei den Musikwettbewerb seit 2012. Offiziell begründet das Land das mit dem Punktesystem, doch in Wirklichkeit ginge es um etwas ganz anderes, meint Ernst: "Es geht es um die freizügigen Auftritte der anderen Länder." Dabei gewann die Türkei den Contest 2003 selbst mit einem recht freizügigen Auftritt...

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(Deutschlandradio Kultur, Tonart, 10.05.2016)

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