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Musikfeuilleton | Beitrag vom 28.04.2019

Europas KulturhauptstadtEin musikalischer Spaziergang durch Matera

Von Hildburg Heider

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Einige der zum Teil steinzeitlichen Höhlenwohnungen und Teile der historischen Altstadt von Matera, Hauptstadt der italienischen Provinz Basilikata, die von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt wurde (picture alliance / Christian Fürst)
Matera, Hauptstadt der italienischen Provinz Basilikata, liegt in einer malerischen Landschaft. (picture alliance / Christian Fürst)

In der Kulturhauptstadt Matera hinterließen Griechen, Römer und Araber ihre musikalischen Spuren. Die Christen versuchten, alles zu vereinheitlichen. Aber in Süditalien wurde ein eigener Stil entwickelt, abweichend von dem in Rom üblichen.

Heute sind aus vielen der alten Elendshöhlen elfenbeinfarbene Schmuckstücke geworden: Restaurants, Hotels, Ateliers, Museen und Wohnhäuser für inzwischen 3000 Einwohner.

Malerisch ist die Landschaft um den Ort: gegenüber die grüne Hochebene der Murgia, tief unten die Schlucht der Gravina. Pfade schlängeln sich hinunter zum Bach, der den Canyon durchschneidet. Am Steilhang Nussbäume und Agaven. Es duftet nach Salbei und Rosmarin.

Die Stadt ist 8000 Jahre alt. Es gibt Höhlen aus der Altsteinzeit, Dörfer aus der Jungsteinzeit und schließlich die Höhlenkirchen, mehr als 150. 

Jüdische Musikgelehrte und arabische Tänzerinnen

Griechen und Römer und Araber hinterließen hier ihre Spuren. Dann kam das Christentum und versuchte, alles zu vereinheitlichen. Aber in Süditalien wurde ein eigener Stil entwickelt, abweichend von dem in Rom üblichen. Alle diese Entwicklungen führten dazu, dass sich die musikalischen Grundlagen in Süditalien von denen im übrigen Italien und Europa unterscheiden und zu einer eigenen homogenen Kultur verschmolzen.

Diese Eigenständigkeit verdankt die süditalienische Musik vor allem dem Kaiser Friedrich II. Der reiste mit seinem Hofstaat im 13. Jahrhundert von Burg zu Burg, von Sizilien aus bis zur Basilicata und Apulien. Mit dabei waren christliche Kantoren, jüdische Musikgelehrte und arabische Tänzerinnen.

Im 15. Jahrhundert gerät Süditalien mit der Hauptstadt Neapel unter die Herrschaft des französischen Hauses Aragon. Von da an wurde Neapel die bedeutendste Musikstadt Europas. Die aragonesische Hofkapelle verfügte über 40 Sänger aus allen Teilen Europas: Flamen, Franzosen, Spanier.

1708 wurde der Opernkomponist Duni in Matera geboren

Das Konservatorium in Matera trägt den Namen "Egidio Romualdo Duni". Duni wurde 1708 in Matera geboren, studierte in Neapel und im holländischen Leiden, komponierte anschließend in Rotterdam Triosonaten. Mit seinen Opern feierte er Erfolge in italienischen Metropolen und später auch in London. Dort komponierte er für den berühmten Kastraten Farinelli. Zurück in Italien lernte er den Dramatiker Carlo Goldoni kennen. Der empfahl ihn nach Paris, wo Duni bis zu seinem Tod im Jahr 1775 lebte.

Im 20. Jahrhundert wurde in Matera eine Blaskapelle gegründet. Auch der jetzige Rektor des Konservatoriums Saverio Vizziello hat als Junge in dieser "Banda" gespielt, zum Beispiel beim jährlichen Fest der "Maria della Bruna", der Schutzheiligen Materas.

Beim Duni-Festival 2018 wurden mehrere Erstaufführungen mit Musik aus Barock und Renaissance veranstaltet, auf Originalinstrumenten, teilweise vermischt mit moderner Elektronik. Mit eigenen Produktionen gastiert das Konservatorium in New York, Jerusalem, Berlin und Salzburg.

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