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Fazit | Beitrag vom 07.12.2019

Europäischer Filmpreis"The Favourite" ist der große Gewinner des Abends

Jörg Taszman im Gespräch mit Britta Bürger

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Claire Denis (l) hält die Laudatio und übergibt die Auszeichnung an Juliette Binoche (European Achievement in World Cinema) bei der Verleihung der Europäischen Filmpreise (picture alliance/Britta Pedersen/dpa-Zentralbild Pool/dpa)
Oscar-Preisträgerin Juliette Binoche wurde für ihr Engagement für das Kino geehrt. (picture alliance/Britta Pedersen/dpa-Zentralbild Pool/dpa)

Insgesamt acht Europäische Filmpreise entfielen auf Yorgos Lanthimos‘ bitterböse Komödie „The Favourite“. Unser Filmkritiker findet, drei hätten gereicht. Stattdessen hätte man die europäische Vielfalt abbilden sollen – und nicht nur darüber reden.

Der Filmemacher Yorgos Lanthimos war der große Gewinner des Abends: Der Grieche hat mit seinem Historienfilm "The Favourite" insgesamt acht Europäische Filmpreise erhalten - in den Kategorien: Bester Film, Beste Komödie, Beste Regie, Beste Kamera, Beste Darstellerin, Bester Schnitt, Bestes Kostümbild und Bestes Maskenbild.

Dazu sagt unser Filmkritiker Jörg Taszman lapidar, es sei nicht sonderlich originell, "The Favourite" jetzt im Nachklapp, nachdem er bereits international unzählige Preise abgeräumt hat, mit acht weiteren Preisen auszuzeichnen. "Drei hätten auch gereicht." Stattdessen hätten andere Filme einen Preis verdient, wie beispielsweise Pedro Almodóvars "Leid und Herrlichkeit" für die beste Regie. Aber immerhin wurde Antonio Banderas, der in dem stark autobiografischen Film den Regisseur Almodóvar spielt, als Bester Schauspieler ausgezeichnet.

Warum Vielfalt loben uns sie nicht abbilden?

Taszman zeigt sich dennoch verwundert darüber, dass einerseits den ganzen Abend die Vielfalt des europäischen Films beschworen werde, aber andererseits diese sich nicht in den Auszeichnungen abbilde. Als Beispiel nennt er das französische Filmdrama "Les Misérables", das seiner Ansicht nach eine Auszeichnung verdient hätte.

Die Regisseure (l-r) Hendrik Handloegten, Tom Tykwer und Achim von Borries erhalten den European Achievement in Fiction Series Award für Babylon Berlin bei der Verleihung der Europäischen Filmpreise.  (picture alliance/Britta Pedersen/dpa-Zentralbild Pool/dpa)Die Regisseure (l-r) Hendrik Handloegten, Tom Tykwer und Achim von Borries erhalten den European Achievement in Fiction Series Award für Babylon Berlin bei der Verleihung der Europäischen Filmpreise. (picture alliance/Britta Pedersen/dpa-Zentralbild Pool/dpa)

Die einzige nominierte Regisseurin, Céline Sciamma, hat zwar einen Preis bekommen, aber nicht für ihre Regie-Arbeit, sondern für das beste Drehbuch. "Porträt einer jungen Frau in Flammen" ist eine Liebesgeschichte zwischen zwei Frauen, die Anfang des 18. Jahrhunderts spielt. Das Drama zeichne sich vor allem durch seine Bilder und Einstellungen aus. Die Regieleistung sei hier herausragender als das Drehbuch, dennoch wurde sie für letzteres ausgezeichnet. Und in der Tat hätten vor allem ältere Herren den Europäischen Filmpreis dominiert, berichtet Taszman. 

Für Deutschland waren die Regisseurin Nora Fingscheidt für "Systemsprenger" und ihre elfjährige Hauptdarstellerin Helena Zengel sowie der Schauspieler Alexander Scheer für seine Rolle als "Gundermann" nominiert. Sie alle gingen jedoch leer aus. Die deutsche Serie "Babylon Berlin" hingegen konnte sich gegen die europäische Konkurrenz durchsetzen. Und Werner Herzog wurde für sein Lebenswerk geehrt. Dafür hatte man sich sogar etwas Besonderes einfallen lassen: Eine Arie für Herzog!

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