Leitwährung

Euro: Eine ernsthafte Alternative zum Dollar

04:49 Minuten
Eine US-Dollar-Banknote und zwei Euroscheine
Folgt der Euro auf den Dollar als Leitwährung? © picture alliance / Zoonar / Markus Grummt
Ein Kommentar von Gustav Horn |
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Angesichts der wachsenden Unsicherheit über die US-Außen- und Handelspolitik stellt sich die Frage: Kann der US-Dollar seine Rolle als Reservewährung halten? Der Euro könnte die Lücke füllen – dank der Unabhängigkeit der Europäischen Zentralbank.
Im Gebälk der globalen Leitwährung, unter dessen Dach sich seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges der Welthandel entwickelte, knirscht es gewaltig. Weltweit sinkt das Vertrauen in den US-Dollar und die Fähigkeit der USA, zugleich Wachstumsmotor und sicherer Hafen für Kapital zu sein. Dazu trägt das Land mit der nach wie vor größten Wirtschaft der Welt selbst bei: Sollten die USA in den kommenden Jahren die konfrontative Handelspolitik eines Donald Trump fortsetzen, wird der US-Dollar seine derzeit noch überragende Stellung als Weltreservewährung verlieren. Der Euro hätte gute Chancen, an seine Stelle zu treten.
Was spricht für ein solches Szenario? Der Hauptgrund ist die derzeitige Ausrichtung der US-Handelspolitik in Kombination mit ihren geldpolitischen Vorstellungen. Laut Stephen Miran, dem intellektuellen Kopf hinter der neuen US-Handels- und Währungspolitik, will die US-Regierung den Dollar zwar als Weltreservewährung erhalten. Aber der Rest der Welt soll dafür zahlen.  

US-Regierung fordert Senkung des Leitzins

Hinter dieser Vorstellung steht die Wahrnehmung, dass der US-Dollar wegen seines Status als Weltreservewährung an den Devisenmärkten überbewertet werde. Das führe zu relativ teuren US-Exporten. Zudem führe es wegen der erhöhten Nachfrage nach dem US-Dollar auch zu höheren Zinsen an den US-Kapitalmärkten. Beides belaste die Beschäftigung in den USA.
Es sei hier dahingestellt, ob diese, - vorsichtig ausgedrückt - sehr umstrittene Einschätzung überhaupt richtig ist. Die US-Regierung kündigt jedenfalls an, ihr Handeln daran auszurichten. Das bedeutet zunächst, dass sie von der amerikanischen Zentralbank verlangt, die Leitzinsen deutlich zu senken. Niedrige Zinsen sollen den Dollar abwerten, die Nachfrage nach US-Produkten erhöhen und so für mehr Beschäftigung sorgen. Zudem soll die Zentralbank laut Miran von ihren wichtigsten Handelspartnern verlangen, US-Staatsanleihen zu kaufen.

Der politische Druck dürfte Kapitalanleger erschrecken

Dieses Konzept hat allerdings einen Haken: Es ist zum Scheitern verurteilt. Der wesentliche Grund dafür ist, dass der Druck auf die amerikanischen Zinsen und den Verkauf von Staatsanleihen eine höhere Inflation zumindest erwarten lässt. Allein die Inflationserwartung kann schon dazu führen, dass die Kapitalmärkte sinkende Leitzinsen ignorieren und sogar höhere Zinsen am Kapitalmarkt verlangen, um den erwarteten Wertverlust des US-Dollars zu dämpfen.
Vor allem aber dürfte der politische Druck Kapitalanleger erschrecken, den Präsident Trump auf seine Zentralbank Fed ausübt. Denn wenn Trump die Unabhängigkeit der Fed vor aller Augen schwächt, könnte das die Furcht nähren, die Währungspolitik der USA würde zum Spielball der Politik und verlöre ihre Unabhängigkeit. Das käme im Ergebnis einer chronisch inflationsanfälligen Währung gleich. So eine Entwicklung könnte auch das Schicksal des US-Dollars als Weltreservewährung besiegeln. Die Märkte müssten sich nach Alternativen umschauen. Die naheliegendste wäre der Euro- die mit Abstand ohnehin schon zweitwichtigste Währung der Welt.

Euro hat Chance, globale Reservewährung zu werden

Der entscheidende Vorteil des Euros gegenüber anderen Währungen wie dem chinesischen Renminbi oder dem US-Dollar ist die gesetzlich verankerte Unabhängigkeit der Europäischen Zentralbank und der sich daraus ergebende Schutz vor dem Einfluss der Politik. Genau diese politische und institutionelle Stabilität macht den Euro attraktiv, das Erbe des US-Dollars als globale Reservewährung anzutreten.
Ob der Euro diese Position tatsächlich einnehmen kann, wird vor allem von dem Urteil global agierender Investoren, Händler und Zentralbanken abhängen. Sollte sich Europa als ein Hort politischer Stabilität erweisen und - anders als die USA und China - allen autokratischen Bestrebungen widerstehen, stehen die Chancen gut, dass sich der Euro in Zukunft zur führenden globalen Reservewährung entwickelt.
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