EU-Verbot von Einwegplastik

    Potsdam auf dem Weg zur Plastikfreiheit

    07:48 Minuten
    Plastikbesteck, bestehend aus Löffeln und Cafebecherdeckeln ordentlich angeordnet auf blauem Hintergrund.
    Im Kampf für Mehrwegsysteme sollte man nicht warten, bis andere handeln, sondern selbst aktiv werden, sagt Marie-Luise Glahr. © imago / Cavan Images
    Marie-Luise Glahr im Gespräch mit Dieter Kassel · 03.07.2021
    Audio herunterladen
    Ob Besteck oder Ohrstäbchen: Einwegplastik ist nun EU-weit verboten. Immerhin ein Anfang, sagt Marie-Luise Glahr von der Potsdamer Bürgerstiftung. Ihre Vision: eine plastikfreie Stadt. Der Pfandbecher "Potspresso" ist ein erster Erfolg.
    Wegwerfprodukte aus Plastik dürfen ab sofort in der Europäischen Union nicht mehr hergestellt werden. Es sei gut, dass das Problem angepackt werde, sagt Marie-Luise Glahr, Vorsitzende der Potsdamer Bürgerstiftung. Denn im Zuge der EU-Verordnung sei "unglaublich viel in Bewegung" gekommen. Allerdings kritisiert sie auch: "Das, was jetzt umgesetzt wird, ist erst mal der kleinste gemeinsame Nenner". Es gebe noch viele Schlupflöcher.
    "Das war auch für uns ein Grund zu sagen: Wir wissen doch alle, worum es geht. Wir sehen doch die überquellenden Mülleimer und die verdreckten Parks. Es kann nicht sein, dass wir jetzt warten, das Richtige zu tun, wenn wir schon wissen, was wir eigentlich tun müssen."
    In die Tat umgesetzt hat die Bürgerstiftung deshalb bereits ein stadtweites Pfandbechersystem: den so genannten "Potspresso". Fast alle inhabergeführten Cafés und Bäckereien seien beteiligt, so Glahr. "Wir bieten einen total niedrigschwelligen Service an und bringen unsere Becher dann gegebenenfalls mit dem Lastenrad an die Händler."

    Politik braucht auch Legitimation aus der Bürgerschaft

    In der kommunalen Verwaltung habe es gegen das Projekt keinen großen Widerstand gegeben: "Ich glaube, dass tatsächlich Politik manchmal eine Art Legitimation aus der Bürgerschaft auch braucht", betont Glahr. Genug Unterschriften könnten gegen die Angst vor womöglich zu vielen Verboten helfen, wie sie sich auch jetzt im Wahlkampf wieder zeige.
    Ein Ziel der Bürgerstiftung ist es, Potsdam plastikfrei zu machen. "Das ist natürlich eine Vision, die wir haben", sagt die Vorsitzende. "Natürlich sind wir da noch nicht ansatzweise. Aber ich finde, das ist kein Grund, das Problem nicht zu benennen und einfach mal anzufangen."
    (bth)
    Mehr zum Thema