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Zeitfragen | Beitrag vom 12.03.2019

EU-Projekt "SmartBees"Für die Vielfalt der Honigbienen

Von Julia Beißwenger

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Eine sogenannte Carnica-Biene sitzt auf Sonnenblume und sammelt Nektar. (imago/imageBROKER/Frank Bienewald)
Kommt in Deutschland mittlerweile mit am häufigsten vor: die Carnica-Biene. (imago/imageBROKER/Frank Bienewald)

Die Carnica-Biene liefert mehr Honig als andere Spezies, deshalb wird sie von Imkern bevorzugt. Andere Subspezies werden dadurch allerdings verdrängt. Das EU-Projekt "SmartBees" setzt sich für die Vielfalt unter Honigbienen ein.

"Das sind hier Carnica-Bienen, die bei uns im Land hauptsächlich vertreten sind, typisch für die Carnica-Biene ist, dass sie grau ist und auch gut sichtbare Filzbinden hat." 

In Deutschland gibt es inzwischen kaum andere Honigbienen. Carnica liefert mehr Honig und sticht seltener als andere Subspezies. Darum wird sie von Imkern bevorzugt. Auch von Hans Jörg Breuninger. Um Königinnen für die Zucht auszuwählen, kontrolliert er mehrmals im Jahr seine Bienenvölker. 

"Wenn ich an einem Volk arbeite, dann dokumentiere ich zum Beispiel, ob in dem Volk Nachschaffungszellen für Königinnen angesetzt sind, um die Schwarmträgheit zu beurteilen, außerdem merke ich schon, wenn ich im Volk arbeite, ob vielleicht eine Biene mich doch mal anfliegt oder vielleicht sogar sticht, so dass ich die Sanftmut bewerten kann. Und außerdem wiege ich den Honig aus, um eben auch den Ertrag zu dokumentieren."

Ein Imker mit Schutzkleidung betrachtet eine Bienenwabe. (imago/Marius Schwarz)Imker entscheiden sich oft für die Bienenart, die am meisten Honig erzeugt. (imago/Marius Schwarz)
Die Carnica ist ein Verkaufsschlager und inzwischen in ganz Europa verbreitet. Bedroht ihr Erfolg die genetische Vielfalt? Verdrängt sie andere Honigbienen? Um das zu prüfen, untersuchten Wissenschaftler im Rahmen des EU-Projektes "SmartBees" den Bestand der europäischen Honigbienen, erzählt der Koordinator Kaspar Bienefeld:

"Wir haben Proben genommen in ganz Europa, auch anliegende Länder Europas und diese wurden dann morphologisch untersucht, die Bienen unterscheiden sich in ihrem Aussehen, aber wir haben auch molekulargenetische Analysen gemacht, um zu schauen, ob das noch die reinen Rassen sind. Die gute Nachricht war, es gab in allen Ländern noch Restbestände dieser Rassen, die schlechte war, es gab auch viele, wo wir schon eine Einkreuzung von anderen Rassen festgestellt haben und manche Rassen sind kurz davor auszusterben."

Die Vielfalt der europäischen Honigbiene bewahren

Die meisten leiden unter Verdrängung durch die Carnica-Biene. Kurz vor dem Aussterben stehen vor allem Arten in kleinen, heißen Ländern, wie Malta oder Griechenland. Eine gefährliche Entwicklung für die europäischen Honigbienen.

"Sie wissen, wir haben den Klimawandel und in ein paar Jahrzehnten wird man vielleicht Rassen sehr gut gebrauchen können, die mit heißeren und trockeneren Klimabedingungen zurechtkommen. Das heißt, es wäre sehr negativ, jetzt diese Subspezies zu verdrängen und diese genetischen Ressourcen nicht mehr zu haben. Wir möchten auf jeden Fall die Option haben, auf sie zurückgreifen zu können, falls sich Bedingungen ändern."

Es gilt, alle Arten zu erhalten, so die Forscher. Züchter aus Deutschland oder Österreich sollen darum künftig weniger Bienen ins Ausland verkaufen. Gleichzeitig starteten im Rahmen von "SmartBees" zahlreiche Zuchtprogramme. Dutzende Schulungen fanden statt, um Imker in Europa bei der Zucht heimischer Arten zu helfen. Die europäische Zusammenarbeit soll auch nach Abschluss des "SmartBees-Projektes" weitergehen.

"Es wurde ein internationaler Zuchtverband gegründet mit dem Ziel, diese Zucht weiterzuführen und wir sind jetzt auch dabei, Kryoreserven zu schaffen. Das heißt, Sperma von Bienenrassen einzufrieren, die kurz vor dem Aussterben stehen, um das vielleicht für spätere Generation zu erhalten." 

Wege zur Eindämmung der Varroa-Milbe identifiziert

Neben dem Artenschutz ist Kaspar Bienefeld und seinen Kollegen der Kampf gegen die Varroa-Milbe wichtig. Das Tier nistet sich in Wabenzellen ein und saugt das Blut aus den Bienenpuppen. Die Milbe überträgt dabei Viren, so dass ganze Völker absterben. Europaweit mussten Imker dadurch schon große Verluste hinnehmen.

Eine sogenannte Schöterich-Mauerbiene mit starkem Milbenbefall. (imago/blickwinkel/R. Guenter)Eine Schöterich-Mauerbiene mit starkem Milbenbefall. (imago/blickwinkel/R. Guenter)
Um das Milbenproblem zu lösen, führten die Forscher im Rahmen von "SmartBees" aufschlussreiche Experimente durch. 

"Also hier sind die Gewächshäuser, in denen wir im Sommer die Versuche machen. Hier sehen Sie die Bienenwohnung." 

Kaspar Bienefeld erklärt den Versuchsaufbau. Die Bienenwohnung ist ein ca. 50 Zentimeter hoher Kasten. Im Stock ist es dunkel, die Forscher haben darum eine Infrarotkamera installiert. So können sie die Bienen am Computer beobachten. Zur Unterscheidung tragen die Tiere kleine Plättchen mit Zahlen auf ihrem Brustpanzer. So markiert, laufen sie auf den Wabenzellen herum. Einige dieser Zellen haben die Forscher mit Varroa-Milben infiziert. 

"Manche Bienen sind in der Lage, durch den Zelldeckel zu erkennen, ob diese Brutzelle befallen ist. Das sind sehr, sehr wenige Spezialisten, die das können. Wir können dann jede einzelne Biene beobachten und können dann feststellen, welche von diesen Bienen in der Lage sind, diese Varroa infizierten Zellen zu erkennen und auszuräumen." 

Chance zu überleben

Wenn eine Biene den Milbenbefall bemerkt, säubert sie die Zelle. Umso mehr Tiere dieses Veralten zeigen, desto eher hat das Volk eine Chance zu überleben. Doch warum erkennen nicht alle Bienen den Parasiten? Molekulargenetische Untersuchungen lieferten die Antwort. 

"Wir haben festgestellt, dass die Marker, die wir gefunden haben, in der Nähe von Genen liegen, die mit dem Geruchsvermögen in Verbindung stehen. Das heißt, Bienen, die resistent sind, die das Merkmal zeigen, sind Bienen, die besser riechen können, die können besser erkennen, ob eine Puppe befallen ist mit diesem Parasiten oder nicht. Und unsere Analysen haben eindeutig gezeigt, dass nicht der Parasit an sich erkannt wird, sondern die Schädigung, die dieser Parasit an den Puppen auslöst."

Auf gelben Waben tummeln sich mehrere Bienen, nur eine ist mit der Zahl 29 markiert. (Imago / Frank Sorge)Solche Markierungen wie an dieser Bienenkönigin nutzen auch die Forscher und Forscherinnen des EU-Projektes. (Imago / Frank Sorge)
Schon im kommenden Jahr wird voraussichtlich ein DNA-Chip auf dem Markt sein, der schnell und kostengünstig die Gene einer Biene ausliest, um zu prüfen, ob das Insekt Varroa-Milbenbefall riechen kann. Züchter haben dann die Möglichkeit, nur Bienen zu vermehren, die den Milbenbefall erkennen. Ein weiterer Schritt, um das Überleben und die Vielfalt der Honigbienen in Europa zu schützen, sagen die Forscher.

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