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Studio 9 - Der Tag mit ... | Beitrag vom 03.07.2020

Ethnologe über Zigaretten "Die heroische Zeit des Rauchens ist vorbei"

Wolfang Kaschuba im Gespräch mit Anke Schaefer

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Eine junge Frau sitzt auf der Terrasse eines Cafes und raucht eine Zigarette. (dpa / picture-alliance / Rolf Kremming )
Ausgequalmt: Was früher als lässig galt, wird heute zunehmend kritisch betrachtet. (dpa / picture-alliance / Rolf Kremming )

Der Bundestag hat das Verbot von Tabakwerbung verschärft: Sie soll fast überall aus dem öffentlichen Raum verschwinden. Ein Zeichen von Coolness sei das Rauchen ohnehin schon lange nicht mehr, sagt dazu der Ethnologe Wolfgang Kaschuba.

Der Marlboro-Cowboy reitet schon lange nicht mehr gen Sonnenuntergang und auch die restliche Tabakwerbung soll so weit wie möglich aus dem Straßenbild verschwinden - das hat der Bundestag nun endgültig beschlossen.

Und das passt ganz zur allgemeinen Wahrnehmung des Rauchens. "Offenbar ist eben die heroische Zeit des Rauchens vorbei", so Wolfgang Kaschuba, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Europäische Ethnologie der Humboldt-Universität in Berlin.

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Die Bildkraft von früher, dass Rauchen cool oder attraktiv sei, funktioniere nicht mehr, erklärt er. Die jungen Erwachsenen hätten heute offenbar andere Vorstellungen von Attraktivität, identifizierten sich gleichzeitig stärker mit neuen Werten.

Neue Werte sind wichtiger

"Da spielen Dinge eine Rolle, die etwas mit Ernährung, Ökologie und Klima zu tun haben", erläutert Kaschuba. "Das ist doch ein sehr interessanter Wertewandel hin von einem Konsumgut, das für die weite Welt stand, für Abenteuer, Männlichkeit, Weiblichkeit, hin zu etwas anderem." In hohem Maße verpflichtende Werte seien nun auszumachen. Die einfachen Formeln der Coolness seien heute "nicht mehr angesagt".

Früher sei die Zigarette für ihn selbst auch der Eingang in jedes Café gewesen, so Kaschuba, selbst ehemaliger Raucher. "Man setzte sich hin und hat sich eine Zigarette angezündet und dieses Anzünden und Rauchen bedeutete, ich bringe mich jetzt ein in diesem Raum." An diese Stelle sei heute das Mobiltelefon getreten.

"Das Handy ist auf eine merkwürdige Art eine gewisse Nachfolgerin der Zigarette", sagt der Ethnologe.


Die ganze Sendung mit Wolfgang Kaschuba hören Sie hier:

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