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Studio 9 | Beitrag vom 02.04.2019

Ethischer KonsumSie entscheiden über das Wohl der Tiere!

Von Anja Nehls

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Schweinezuchtbetrieb in Nordwestmecklenburg - wenige Tage alten Ferkel liegen am 21.08.2014 in einer Box in den Abferkelställen der Tierzucht Gut Losten. (dpa / picture-alliance / Jens Büttner)
Wer etwas für die Haltungsbedingungen der Tiere tun will, sollte im Supermarkt aufmerksamer einkaufen. (dpa / picture-alliance / Jens Büttner)

Bei unserer Autorin gibt es Zuhause immer weniger Fleisch. Der Grund: Ihre Tochter isst lieber gar kein Fleisch als solches, das aus einer nicht artgerechten Haltung stammt. Gut so, denn der Kunde bestimmt das Angebot.

Bei uns gibt es heute Spaghetti mit Tomatensoße. Das gibt es in letzter Zeit häufig, genauso wie Eierkuchen oder Broccoli-Kartoffel-Auflauf. Nicht weil irgendjemand bei uns Vegetarier ist, sondern weil meine Tochter so oft beim Einkaufen dabei ist. Dann steht sie im Discounter bei uns um die Ecke vor dem Fleisch-Kühlschrank, guckt mich vorwurfsvoll an und reißt mir das Hackfleisch mit der roten Eins aus der Hand.

Weil die Eins für Stallhaltung steht und was das bedeutet, weiß wirklich jedes Kind, das in diversen Fernsehbeiträgen 100 Kilogramm Schweine auf jeweils einem dreiviertel Quadratmeter ohne Tageslicht und Einstreu zusammengepfercht vorgeführt bekommen hat. Also suchen wir das Hackfleisch der Stufe vier oder wenigstens drei.

Und wenn wir das nicht finden, gibt es eben gar kein Fleisch, weil meine Tochter das so will. Dass in Stufe drei Außenklima nicht unbedingt Auslauf oder gar Weide bedeutet, weiß nur, wer sich intensiv mit dem System beschäftigt. Dass es besser ist als Eins, versteht aber jeder.

Der Kunde hat die Wahl

Wenn unter der Premiumstufe vier Bioprodukte einsortiert werden, heißt das auch noch nicht, dass das Tier allzeit glücklich gelebt hat und entspannt gestorben ist, aber es ist das Beste, was wir derzeit bekommen können und was wir schnell finden, weil es ab jetzt mit der grünen Vier auch gut zu erkennen ist.

Auch ich als Nicht-Bioladen-Jünger habe jetzt bei meinem Discounter um die Ecke die Wahl. Und damit die Macht. Und darüber bin ich froh. Denn mehr Nachfrage nach Fleisch von Tieren aus besserer Haltung wird langfristig zu mehr Angebot führen. Bei den Eiern hat das auch geklappt. Eier aus Legebatterien werden inzwischen kaum noch angeboten.

Und so könnte es auch beim Fleisch laufen: Der Kunde entscheidet jetzt selbst. Ausreden gibt es nicht mehr. Die blaue Zwei, die zum Beispiel Hühnern statt Zweidrittel eines Din-A4-Blattes noch zusätzlich die Größe eines halben Handys als Platzbedarf zubilligt, will meine Tochter nicht mehr essen. Und sie hat recht. Fleisch mit der roten Eins auf dem Band an der Kasse ist tatsächlich irgendwie peinlich. Und das ist gut so.

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