Lauren Ridloff im Film „Eternals“

Marvels taube Superheldin

09:50 Minuten
Im Still aus "Eternals" steht die Figur Makkari in einem roten Anzug am Strand.
"Eternals" schlachte die Gehörlosigkeit seiner Superheldin Makkari nicht dramaturgisch aus, betont der Journalist Enno Park. Dennoch habe ihn der Film enttäuscht. © Walt Disney Filmverleih
Enno Park im Gespräch mit Gesa Ufer  · 16.11.2021
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Die Superheldin Makkari im Marvels „Eternals“ ist gehörlos. Der Film bediene nicht die üblichen Gehörlosenklischees, lobt der Journalist Enno Park, der selbst eine Hörbehinderung hat. Doch letztlich sei die Figur kontraproduktiv angelegt.
Das gab es bislang noch nicht im Marvel-Universum: eine gehörlose Superheldin. Sie heißt Makkari und ist Teil des Films „Eternals“. Ihre Superkraft besteht darin, in Hyperschallgeschwindigkeit rennen zu können. Gespielt wird Makkari von der Schauspielerin Lauren Ridloff, die auch im echten Leben gehörlos ist. Im Film ist sie Teil einer Gruppe, die seit 7000 Jahren die Menschheit behütet. Und das trotz ihrer Behinderung – oder vielleicht gerade deswegen?

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Er habe sich wirklich darüber gefreut, eine gehörlose Superheldin auf der Leinwand zu sehen, sagt der Journalist Enno Park, der selbst fast taub ist, aber dank zweier Cochlea-Implantate so gut wie normal hören kann.

Nicht dramaturgisch ausgeschlachtet

In Bezug auf die Gehörlosigkeit seiner Heldin mache der Film vieles richtig. Er stilisiere Gehörlosigkeit oder Behinderung nicht zu einem tragischen Schicksal, dass gemeistert werden müsse – wie das sonst oft der Fall sei.
In der Realität lebten Betroffene – wie er selbst auch – „meistens einfach so und ohne viel Drama mit unserer Behinderung vor uns hin“. Das sei bei der Superheldin Makkari ähnlich: „Sie ist ebenfalls einfach taub, so wie andere Charaktere weiblich oder männlich sind oder eine dunkle Hautfarbe haben.“ Ihre Gehörlosigkeit werde dramaturgisch nicht mit den „üblichen Klischees ausgeschlachtet“.
Diese Klischees neigten dazu, den Wert behinderter Menschen besonders hervorzuheben. „Ständig liest man Narrative über Behinderungen, wie Chefs hervorheben, wie ganz besonders fleißig ihre behinderten Angestellten doch sind, oder wie gut Gehörlose sich mangels Ablenkung konzentrieren können. Oder man denke an die Geschichten über die Inselbegabung von Autisten."
Makkaris Gehörlosigkeit habe keinen Einfluss auf ihren Charakter oder die Geschichte. Auch ihre Superkraft, schnell rennen zu können, habe mit ihrer Behinderung nichts zu tun. Dass diese Klischees hier nicht bedient werden, sei „einfach mal sehr wohltuend“ gewesen, so Enno Park.

Superheldin im Plot überflüssig

Insgesamt habe der Film ihn „doch etwas enttäuscht“, bilanziert der Journalist. Der Diversität werde nicht wirklich Raum gegeben. Beispielsweise sei Makkaris Gehörlosigkeit „schlampig in die Dialoge eingearbeitet“. Denn in einigen Szenen benutzten alle anderen Figuren Lautsprache und Makkari bekomme trotzdem alles mit, als ob sie hören könne. „Oder sie sagt etwas in Gebärdensprache zu einer hörenden Person, als ob sie nicht sprechen könne.“ Da tauche dann doch ein Klischee auf: dass Gehörlose stumm seien.
Zudem sei ihre Rolle für den Plot vollkommen überflüssig. „Man könnte sie rausschneiden, ohne dass es jemandem auffallen würde.“ Bei ihm sei deshalb „die wahrscheinlich unfreiwillige Botschaft hängen geblieben, dass man sich zwar gerne damit schmückt, dass Gehörlose mitmachen dürfen, sie dann aber trotzdem keine Rolle spielen und eigentlich überflüssig sind“, erklärt Enno Park. Serien wie „The Walking Dead“ oder „The West Wing“ seien da weiter.

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