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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 05.11.2015

Esther VilarWarum ist die Liebe die größte Form der Unfreiheit?

Moderation: Klaus Pokatzky

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Die Schriftstellerin Esther Vilar (Imago)
Die Schriftstellerin Esther Vilar (Imago)

Nicht die Frauen, sondern die Männer sind das unterdrückte Geschlecht. Mit dieser These in ihrem Buch "Der dressierte Mann" löste Esther Vilar 1971 einen Skandal aus. Und ihre Lust an der Provokation hat sie sich bis heute bewahrt.

Mit "Der dressierte Mann" begann 1971 die literarische Karriere von Esther Vilar. Das Buch sorgte für einen wahren Skandal, denn es war eine höchst provokante Abrechnung mit der damaligen Frauenbewegung - und damit auch mit Alice Schwarzer. "Überall wurden Frauen bemitleidet, wir wurden als Opfer dargestellt, und ich habe mich einfach nicht als Opfer gefühlt", erinnert sich Esther Vilar. Auch die meisten anderen Frauen, die sie gekannt habe, seien alles andere als Opfer gewesen: "Und ich dachte, ich muss einfach etwas dagegen schreiben."

Die Mutter setzt die Maßstäbe

Die eigentlichen Opfer waren für Esther Vilar die Männer, die sich allzu willig dressieren und unterwerfen ließen - zunächst von der eigenen Mutter. Diese habe die Maßstäbe gesetzt, nach denen Männer zu leben hätten.

"Und mit ihrer Muttersprache hat sie das alles so geregelt, dass der Mann eigentlich gar nicht auf die Idee kommen konnte, dass in Wirklichkeit er, der morgens mit seiner Aktentasche frühzeitig aus dem Haus ging und abends spät und müde wieder zurückkam, während sie zu Hause blieb - so war das damals noch -, dass er das Opfer ist in dieser Gesellschaft und nicht sie."

Denn während Frauen Kinder, Zuhause "und die ganzen Freiheiten" hätten genießen können, habe sich der Mann ständig nach anderen richten müssen und möglicherweise noch sein verdientes Geld komplett bei der Frau abgeben müssen.

Inzwischen habe sich jedoch einiges geändert, so Vilar. Viele Paare teilten sich heute die Arbeit. "Und das ist ja schon ein unglaublicher Fortschritt."

Nach wie provoziert sie gern

Auch mit knapp 80 Jahren ist Esther Vilar eine Frau, die gern provoziert und vermeintliche gesellschaftliche Normen hinterfragt. Sie hat rund 20 Bücher geschrieben und ebenso viele Theaterstücke. Ihr Stück "Das Lächeln des Barrakuda" ist derzeit im Berliner Schlossparktheater zu sehen.

Warum ist die Liebe die größte Form der Unfreiheit? Warum halten Sie Religion für gefährlich? Sind Sie selbst ein freier Mensch?

Darüber hat sich Klaus Pokatzky mit Esther Vilar vor einigen Monaten in der Sendung "Im Gespräch" unterhalten, am 5.11. nochmals zu hören ab 9:07.

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