Bundesfotoinstitut

Essen wirbt weiter für sich als Standort

10:05 Minuten
Zeche Zollverein in Essen.
Auf dem Gelände der Zeche Zollverein soll das neue Bundesinstitut für Fotografie entstehen, wenn sich Essen als Standort durchsetzt. © picture alliance / imageBROKER | Uwe Kraft
Steffen Siegel im Gespräch mit Britta Bürger · 04.12.2021
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Das zu gründende Bundesinstitut für Fotografie soll mehr Aufmerksamkeit für diese Kunstform bringen. Doch momentan dreht sich alles um die Frage, wo es beheimatet sein soll. Aus Essen kamen nun eindrückliche Wortmeldungen.
Mit einer aufwendig gestalteten Zeitschrift als kostenlose Beilage in der „Süddeutschen Zeitung“ und einem Onlinesymposium zum Wert des Fotografischen wirbt Essen weiter um das geplante Bundesfotoinstitut. Noch ist nicht entschieden, ob es dort angesiedelt wird oder doch in Düsseldorf.
Für Essen sprechen zwei Machbarkeitsstudien. Außerdem gibt es Unterstützung von der NRW-Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen. Auch die scheidende Kulturstaatsministerin Monika Grütters hatte sich für Essen ausgesprochen.
Die beiden Aktionen sind zeitlich gut gewählt, da die Standortfrage nun in den Aufgabenbereich der designierten Kulturstaatsministerin Claudia Roth fällt. Hat man also Tatsachen geschaffen?

"Die Tatsachen sprechen für Essen"

Nein, sagt der Fotohistoriker Steffen Siegel, der an der Folkwang Universität der Künste in Essen lehrt und an beiden Aktionen beteiligt ist.

Die Tatsachen sind nicht zu schaffen, sondern die gibt es ganz einfach. Was den Standort Essen anbelangt, liegt es an den Institutionen, die es bei uns gibt: große Museen, wichtige universitäre Orte der Ausbildung in Theorie wie in Praxis. Aber ich will gleich vorneweg betonen: Es geht uns überhaupt nicht um einen Wettbewerb zwischen verschiedenen Städten. Es geht uns um die Sache, dass die Fotografie in ihrer ganzen Breite ein sehr verletzliches, sehr vergängliches Medium ist und einer sehr professionellen Pflege bedarf – kuratorisch, restauratorisch, wissenschaftlich und archivarisch.

Steffen Siegel, Fotografieprofessor

Auf dem Onlinesymposium wurde die Standortfrage zum Beispiel gar nicht diskutiert, wie der Fotohistoriker berichtet. Stattdessen wurde über Erfahrungen aus anderen europäischen Ländern mit solchen Bundesinstitutionen für Fotografie einerseits und über die Zukunft der Fotografie und auch NFTs andererseits diskutiert.

Nationale und internationale Vernetzung

Dass man das Bundesinstitut in Essen und in Düsseldorf beheimatet, kann Siegel sich nicht vorstellen. „Allerdings geht es nicht um die Frage, ob ein oder zwei Standorte, sondern es geht um die Struktur als solche. Was heißt eigentlich Standort? Wir müssen immer wieder in den Blick nehmen, dass es in Deutschland bereits ganz herausragende Standorte gibt, nämlich Museen und archivarische Sammlungen. Da sind viele Städte zu nennen, vorneweg Köln, Hamburg, Berlin, München, Frankfurt und so weiter. Dazu gehört ganz sicherlich auch Essen.“
Zwischen diesen Standorten müsse man eine netzförmige Struktur herstellen, „die dann auch dem entspricht, was wir in Deutschland sehr hoch halten: eine föderale Struktur.“ Außerdem sei es aus archivarischen und konservatorischen Gründen nicht sinnvoll, Objekte zwischen verschiedenen Standorten hin- und herzufahren.
Insgesamt habe die deutsche Standortdebatte aber auch etwas Provinzielles, sagt der Professor für Theorie und Geschichte der Fotografie. Anstatt über Essen oder Düsseldorf zu diskutieren, sollte man sich Gedanken darüber machen, wie man sich national wie international besser vernetzen kann.

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