"Es gibt nur gefährliche Streuwaffen"

Ein B-1B Bomber der US-Army wirft Streubomben ab. © AP Archiv
19.05.2008
Der Geschäftsführer der Hilfsorganisation medico international, Thomas Gebauer, hat die Forderung nach einem sofortigen Verbot von Streumunition bekräftigt. Angesichts der "extremen humanitären Folgen" gehöre diese Waffe "dringend verboten" sagte Gebauer im Deutschlandradio Kultur anlässlich der Konferenz in Dublin über eine internationale Ächtung von Streubomben.
Gebauer verwies darauf, dass die Bundesregierung bei den bisherigen Verhandlungen "sehr zurückhaltend" agiert habe. Dies liege unter anderem an dem Bemühen Deutschlands, die USA mit ins Boot zu holen. Die Regierung "spiele auf Zeit" und versuche, "Ausnahmeregelungen durchzusetzen, und das sind Dinge, die wir nicht akzeptieren wollen."

Laut Gebauer stehen hinter der Auseinandersetzung um ein Verbot von Streubomben auch wirtschaftliche Interessen. Die deutsche Rüstungsindustrie stelle diese Munition her und biete sie auf internationalen Waffenmessen zum Kauf an.

Der Geschäftsführer von medico international wies in diesem Zusammenhang die Forderung zurück, dass Streumunition modernen Typs erlaubt bleiben sollte, die eine Blindgängerquote von einem Prozent aufweist und somit für die Zivilbevölkerung ungefährlicher wäre. Eine solche Quote würde hinsichtlich der im Libanon-Krieg 2006 eingesetzten Streubomben bedeuten, dass 40.000 dieser Waffen "legal" die Bevölkerung bedrohen könnten.

"Eine solche Blindgängerquote ist aus humanitärer Sicht, aus ziviler Sicht, einfach nicht zu akzeptieren. Wir sagen: Es gibt nur gefährliche Streuwaffen."

Sie können das vollständige Gespräch mit Thomas Gebauer mindestens bis zum 19.11.2008 in unserem Audio-on-Demand-Angebot hören. MP3-Audio