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Fazit / Archiv | Beitrag vom 17.02.2010

"Es geht nur noch um Familie"

Journalistin Kay über den Film "The Kids Are Alright" und schwul-lesbisches Kino

Manuela Kay im Gespräch mit Holger Hettinger

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Regisseurin Lisa Cholodenko und Schauspielerin Julianne Moore bei der Vorstellung des Films "The Kids Are Alright" auf der Berlinale. (AP)
Regisseurin Lisa Cholodenko und Schauspielerin Julianne Moore bei der Vorstellung des Films "The Kids Are Alright" auf der Berlinale. (AP)

Die Journalistin Manuela Kay äußert sich zu lesbischen Filmen wie "The Kids Are Alright", der auf der Berlinale vorgestellt wurde. Es gehe in solchen Filmen nur noch darum, "wie kann ich normaler als jeder Hetero werden", beklagte Kay.

Lesen Sie einen Auszug aus dem Gespräch.

Holger Hettinger: Manuela Kay , Sie haben eben gesagt: Das ist alles sehr konventionell, sehr brav - vom Rollenbild, das da vermittelt wird. Sehe ich auch so. Ich habe die also als hemmungslos spießig empfunden, wo ich dann dachte, irgendwann suhlt sich der Film in dieser Normalität und dieser Spießigkeit dieses lesbischen Paares.

Aber auf der anderen Seite habe ich mich auch gefragt: Ist es nicht auch ein Stück weit eine Erleichterung, eben nicht immer nur die Speerspitze der gesellschaftlichen Avantgarde sein zu müssen? Ist es nicht auch ein Luxus, zu sagen: Leute, natürlich, es ist ein Lebensstil, der mit Vielem aufgeladen wird, aber ich gefalle mir so letztlich in dieser spießigen Normalität?

Manuela Kay: Das ist ja auch die gesellschaftliche Tendenz im Moment. Ich betrachte das sehr skeptisch. Mir geht auch manchmal die Luft aus, exotisch sein zu müssen, jeden Tag.

Hettinger: Das ist auch wahnsinnig anstrengend.

Kay: Ist es auch. Aber wenn ich die Wahl habe, im Mainstream zur Unkenntlichkeit zu verschwimmen und so sein zu müssen wie alle Leute, mich anzupassen, nur um als normal zu gelten oder in eine Außenseiterposition zu haben.

Meine persönliche Wahl wäre immer: Außenseiter, obwohl es natürlich anstrengender ist. Ich kann die Leute auch verstehen, die sagen: Mir ist das zu stressig. Ich will mich überhaupt nicht mehr erklären müssen.

Aber was wir im Moment sehen. Das sehen wir auch an den anderen Filmen im Festival, die sich mit schwulen und lesbischen Themen befassen: Es geht nur noch um Familie, es geht überhaupt nicht mehr um Politik, es geht überhaupt nicht mehr um Themen, die vielleicht gesellschaftskritisch sind.

Es geht nur noch, wie kann ich mich am besten in die Gesellschaft einfügen, wie kann ich normaler als jeder Hetero werden. Und an der Stelle geht's mir persönlich auch zu weit und wird dann auch einfach langweilig, weil wer, wenn nicht wir, kann denn diese Gesellschaft hinterfragen und letztlich auch verändern?

(…)

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