Freitag, 27.11.2020
 

Fazit / Archiv | Beitrag vom 16.06.2019

Eröffnung der 45. Hamburger Ballett-TageErstaunliches Teamwork

Elisabeth Nehring im Gespräch mit Marietta Schwarz

Beitrag hören Podcast abonnieren
Olivia Betteridge und Florian Pohl im Duett. (picture alliance/Markus Scholz/dpa)
Mit den "Shakespeare-Sonetten" wurden die 45. Hamburger Ballett-Tage eröffnet. (picture alliance/Markus Scholz/dpa)

Drei Choreografen, 13 Komponisten, ein Stück – und das geht erstaunlich gut zusammen: Mit einer gemeinsamen Auftragsarbeit der Choreografen Aleix Martínez, Marc Jubete und Edvin Revazov hat die Staatsoper Hamburg ihre Ballett-Tage eröffnet.

Marc Jubete, Aleix Martinez und Edvin Revazov – allesamt (erste) Solisten am Hamburg Ballett und vom Intendanten John Neumeier mit einer Produktion zu Shakespeares Sonetten beauftragt – haben sich auf eine musikalische Struktur geeinigt, auf die verschiedenen Musikstücke choreografiert und alles in eine dramaturgische Abfolge gebracht.

Ein Mann und eine Frau im Ballett-Duett. (picture alliance/Markus Scholz/dpa)Die 45. Hamburger Ballett-Tage enden am 30. Juni. (picture alliance/Markus Scholz/dpa)

Auf erstaunlich bruchlose  Weise gehen die einzelnen Szenen und Bilder ineinander über, ergeben einen kohärenten Zusammenhang und folgen den roten Fäden der unterschiedlichen Shakespeare-Interpretationen: Aleix Martinez widmet sich der Schönheit, ihren Idealen und Zwängen, Marc Jubete arbeitet an der Liebe und der Unfähigkeit zur Liebe, Edvin Revazov interessiert sich für die Lebensumstände der Shakespearezeit, den Pestepidemien und ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft.

Dabei kehren bestimmte Motive und Figuren immer wieder: Yaiza Coll und Lizhong Wang als weißgepuderte, vorzeitliche Gestalten, die mit- und aneinander Schutz und Halt suchen, "die Fabrik", in der Arbeiterinnen und Arbeiter neue, perfekte, künstliche Menschen erschaffen und in Glaskästen ausstellen und immer wieder Duette, in denen die Berührungen nicht enden wollen und die Körper auf bedürftige wie elegante Weise niemals voneinander lassen.

Mit Shakespeare hat das alles nur noch entfernt – oder anders: thematisch sehr lose – zu tun. Dafür überzeugen vor allem Marc Jubete und Aleix Martinez als Choreografen, die nicht nur Form, sondern echte Begegnungen und Bewegungen suchen, Duette, Trios und Bühnen gestalten können. Trotz Längen, Redundanzen und einer manchmal allzu eintönigen Musikdramaturgie sind die "Shakespeare-Sonette" ein gelungenes Experiment mit Momenten echter, weil tiefer Schönheit.

Shakespeare – Sonette
Ein Ballettabend von Marc Jubete, Aleix Martínez und Edvin Revazov
Staatsoper Hamburg

Mehr zum Thema

Kirill Serebrennikow inszeniert "Nabucco" - Premiere trotz Hausarrest
(Deutschlandfunk Kultur, Fazit, 10.03.2019)

Beethoven-Projekt von John Neumeier - Die Rosamunde Pilcher des Tanzes
(Deutschlandfunk, Kultur heute, 25.06.2018)

Choreograf John Neumeier - "Ich mache, was mein Herz bewegt"
(Deutschlandfunk, Kulturfragen, 05.03.2017)

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsStarren auf Coronazahlen
Coronazahlen (Unsplash / James Yarema)

Mit vielen Zahlen wird die Coronapandemie hierzulande vermessen. Dabei entscheide sich die morgendliche Paranoia beim Blick auf die neuesten Werte nur an einer Zahl, schreibt der "Tagesspiegel": der, der wirksamen Impfstoffe.Mehr

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur