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Interview / Archiv | Beitrag vom 29.05.2020

Ernährungsreport 2020Mehr selbst kochen, weniger Fleisch essen

Christoph Klotter im Gespräch mit Axel Rahmlow

Frisches Gemüse: Möhren, Kohlrabi, Blumenkohl (picture alliance/dpa/Julian Stratenschulte)
Deutsche greifen immer öfter zu Gemüse statt zu Fleisch - vor allem Frauen. (picture alliance/dpa/Julian Stratenschulte)

Der "Ernährungsreport 2020" zeigt, wie die Deutschen essen. Der Trend geht hin zu weniger Fleisch. Aber durch die Corona-Krise werde auch mehr gekocht. Doch wie lange werden diese Entwicklungen anhalten?

Es muss nicht immer Fleisch sein: Nur 26 Prozent aller Deutschen essen täglich Fleisch, vor fünf Jahren waren es noch 34 Prozent. Vor allem sind es mehr Frauen als Männer, die auf Fleisch verzichten. Das geht aus dem "Ernährungsreport 2020" hervor, den das Bundesernährungsministerium herausgebracht hat. 

Für den Ernährungspsychologen Christoph Klotter von der Hochschule Fulda liegt die Erklärung dafür auf der Hand: "Wir spüren alle den Klimawandel, der ist fühlbar und sichtbar." Die zunehmende Wärme und Trockenheit hänge zusammen mit dem Soja-Anbau in Südamerika, denn Soja dient als Futter für Vieh. Der Fleischkonsum sei dadurch in Misskredit geraten. "Das ist, was die Ökotrophologie und Ökologie betrifft, eine sehr sehr positive Entwicklung", so Klotter. Dieser Trend werde weiter anhalten, was man auch an der wachsenden Zahl von Fleischersatzprodukten sehe.

Arbeit bestimmt, wie wir essen

Auch Männer würden langsam abrücken vom Fleischkonsum. Diesen kulturellen Wandel hätten die Milennials eingeleitet, die qualitätsbewusst äßen. Gleichzeitig bestehe aber ein Widerspruch dabei, weil wir schneller, nebenbei und unterwegs essen. "Das liegt an der flexibilisierten Arbeit, die alles bestimmt", so Klotter. Vor 50 Jahren habe noch der Mahlzeiten-Rhythmus den Tag bestimmt.

Der "Ernährungsreport 2020" berücksichtigt auch die Auswirkungen des Corona-Lockdowns auf die Essgewohnheiten. Demnach bereiten mehr Menschen selbst Essen zu, sie essen und kochen auch häufiger gemeinsam. "Das ist ein Trend, der wird uns noch Jahre begleiten", sagt Klotter. "Corona verändert die Welt."

(leg)

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