Seit 01:05 Uhr Tonart

Dienstag, 13.11.2018
 
Seit 01:05 Uhr Tonart

Fazit / Archiv | Beitrag vom 20.07.2005

Erinnerung an die Teilung wach halten

Koreanische Schriftstellerin Su Kyung Huh sieht Schriftsteller in der Pflicht

Podcast abonnieren
Südkoreanische Frau betet an der innerkoreanischen Grenze für ihre Familie in Nordkorea (AP)
Südkoreanische Frau betet an der innerkoreanischen Grenze für ihre Familie in Nordkorea (AP)

Anlässlich eines Treffens Nord- und Südkoreanischer Schriftsteller in der Pjöngjang erklärte die südkoreanische Lyrikerin Su Kyung Huh, dass sich beide Hälften sehr fremd geworden seien. Gleichwohl hoffe sie auf eine Wiedervereinigung. Es sei eine Verpflichtung der Literatur, immer wieder an die Teilung zu erinnern.

Su Kyung Huh erinnerte daran, dass die beiden Koreas zwar eine 50-jährige Trennungsgeschichte haben.

"Aber davor hatten wir eine gemeinsame Geschichte von 1000 Jahren. Wir müssen unsere gemeinsame Geschichte im Kopf behalten."

Die Schriftstellerin, die derzeit in Münster lebt, glaubt, dass die Mentalitätsunterschiede zwischen dem Nord- und Südteil sehr groß seien. Man habe sich auseinander gelebt. Auch in der Sprache habe ein Auseinanderdriften stattgefunden.

"In Nordkorea hat man nach dem Krieg versucht, an der traditionellen Sprache festzuhalten. Wir in Südkorea haben viele amerikanische Wörter, viele technische Neuerungen."

Die Koreaner untereinander seien sich durch die lange Zeit der Teilung auch fremd geworden. Huh sagte, sie habe zum ersten Mal Nordkoreaner in Berlin gesehen, aber nicht mit ihnen sprechen können. Gleichwohl hofft sie auf eine Wiedervereinigung. Die Literatur sieht sie in der Pflicht, die Teilung immer wieder in Bewusstsein zu bringen:

"Wir müssen immer wieder daran erinnern, welche Situation wir haben. Das sehe ich als meine Verpflichtung."

Sie können das Gespräch mit Su Kyung Huh hören, indem Sie den Audiolink in der rechten Spalte anklicken.

Info Su Kyung Huh:
Su Kyung Huh (*1964) ist eine der koreanischen Poetinnen, die in exemplarischer Weise persönliche Inhalte mit einer bewusst traditionsorientierten modernen poetischen Formensprache verbinden. Schon früh veröffentlichte sie zwei Gedichtbände ("Es gibt kein Futter wie Schmerz", 1988; "Allein zu einem fernen Haus", 1992), verließ dann aber Korea, um zu einem Studium nach Deutschland überzusiedeln, und verzichtete damit auf eine Erfolg versprechende literarische Karriere in ihrer Heimat.

In ihren Gedichten ist viel von Einsamkeit die Rede, die zu ertragen ist. Dabei verwendet sie oft Bilder und lyrische Elemente traditioneller koreanischer Volksmärchen und –Lieder, um auf diese Weise Gedichte zu erzeugen, die modern sind, ohne von der westlichen Moderne beeinflusst zu sein.

Ihr dritter Gedichtband Nae yeonghoneum oreae doieoteuna, Seoul 2001, wird in diesem Jahre im Münchener Biblion-Verlag wahrscheinlich unter dem Titel Obwohl meine Seele alt ist erscheinen. Su Kyung Huh lebt derzeit in der Nähe von Münster und arbeitet an einer Dissertation über ein Thema der klassischen Philologie Asiens.

Kulturpresseschau

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

Folge 9Überwältigende Übergänge
Die Schauspielerin Sesede Terziyan (als Elisabeth) steht am 10.01.2018 in Berlin bei der Fotoprobe zu dem Stück "Glaube Liebe Hoffnung" im Maxim Gorki Theater auf der Bühne. (picture alliance / Britta Pedersen / dpa)

Ist das "Postmigrantische Theater" ein Erfolg? Wie erlebten jüdische Bühnenkünstler Deutschland eigentlich nach ihrer Rückkehr aus dem Exil? Im Theaterpodcast #9 schauen wir auf einschneidende Übergänge und erinnern an den verstorbenen Theaterkritiker Dirk Pilz.Mehr

Folge 8"Siegreich" und "schiffbrüchig"
Porträt der Kulturmanagerin Adolphe Binder. (picture alliance / dpa / Caroline Seidel)

Was steckt hinter der Theaterkrise in Wuppertal und den Vorwürfen gegen Jan Fabre? Warum sind die Arbeiten des Regisseurs Jürgen Gosch so unvergesslich? Im September-Theaterpodcast schauen wir auf "siegreiche" und "schiffbrüchige" Theatermacher.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur