Eric Pfeil und die Liebe zum Italo-Pop

Sonne, Strand und Eis mit Stil

07:39 Minuten
Ein Original Fiat 500 in weiß mit den Farben der italienischen Flagge auf der Kühlerhaube.
Eine Spritztour im Fiat 500 und dazu Italopop - der perfekte Urlaub. © Unsplash / Jonathan Bean
Eric Pfeil im Gespräch mit Mathias Mauersberger · 05.05.2022
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Sie sind urlaubsreif? Wie wäre es mit Italien! Für uns hat der Musiker und Schriftsteller Eric Pfeil seine fünf liebsten Italo-Songs aus den hundert herausgesucht, die er in seinem neuen Buch "Azzurro" präsentiert. Sommerfeeling garantiert.
„Ich war 12 oder 13, als mich meine Eltern erstmals mit nach Italien nahmen“, schreibt Eric Pfeil in seinem Buch „Azzurro“. „Ständig gab es gelato. Ich war hin und weg.“ Die richtige Musik war dem Schriftsteller, Journalisten und Musiker schon damals wichtig. In 100 Songs unternimmt er in seinem neuen Werk einen Streifzug durch die Pop-Geschichte des Landes.
Für Deutschlandfunk Kultur hat Pfeil aus den 100 Titeln fünf persönliche Lieblingshits ausgesucht. Hier stellen wir sie mit den Worten des Autors vor, in Auszügen aus dem Buch.  

Mina: "Se telefonando", 1966 (Morricone)

„Se telefonando“  – ein Kronjuwel der musica leggera. Die Struktur ist beispiellos: nur eine Strophe und dann ausschließlich Refrains, die sich in acht Tonartwechseln immer weiter nach oben schrauben. Morricones Inspiration: eine Polizeisirene.(…)
Bis heute haben sich viele an dem Lied versucht, auch in italienischen Castingshows kommt es häufig zum Einsatz. Die Grandezza von Minas Urfassung bleibt freilich unerreicht.

Gino Paoli: "Sapore di sale", 1963 (Paoli)

In der Sommersaison 1963 belegt „Sapore di sale“ ("Geschmack des Salzes"), ein von unterschwelliger Erotik nur so knisterndes Lied über einen dösigen Tag am Strand, Platz eins der italienischen Charts und tönt aus allen Transistorradios von Finale Ligure bis Bari. Gino Paoli ist der Sänger des Sommers.
Der Musiker und Schriftsteller Eric Pfeil hält dem Betrachter ein tropfendes Eis entgegen.
Der Musiker und Schriftsteller Eric Pfeil. denkt gerne an die Familienurlaube in Italien zurück. Vor allem, weil natürlich immer viele gelati dazu gehörten.© Alfred Jansen
Paolis geschmeidige Stücke zählen heute zum „Great Italian Songbook“ und werden immer wieder aufs Neue interpretiert. „Sapore di sale“ ist eines der schönsten Beispiele für den existenzialistischen Sixties-Schlager, den die Italiener so perfekt beherrschten.

Lucio Battisti: "Ancora tu", 1976 (Battisti, Mogol)

„Ancora tu“ ("Schon wieder du"), die erfolgreichste Single in den italienischen Charts des Jahres 1976, ist ein flirrendes Disco-Wunder, bei dem sich noch der härteste Asphalt zu wellen beginnt.
Lucio Battisti singt wie einer, den der Sommer von allen Zwängen, Grübeleien und Eitelkeiten befreit hat.

Adriano Celentano: "Prisencolinensinainciusol", 1972 (Celentano)

1972 diagnostiziert Adriano Celentano einen universellen Kommunikationszusammenbruch, auf den, so ist er überzeugt, künstlerisch nur mit einem Lied zu antworten sei, dessen Text keinerlei Bedeutung hat. (…)

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Celentano singt hier in lingua celentana, einer Quatschsprache, die sich phonetisch für italienische Ohren wie amerikanisches Englisch anhört, in Wahrheit aber reiner Mumpitz ist! Vor allem für englische Muttersprachler muss der Effekt einigermaßen hirnausstülpend sein: Der Sound stimmt – alleine, es gebricht an Sinn.

Loredana Berté: "E la luna bossò", 1979 (Lavezzi, Pace, Avogadro)

Mein liebstes Stück bleibt ihr Hit „E la luna bussò“ ("Und der Mond klopfte an"), das ich noch letztes Jahr unter gesanglicher Beteiligung des jungen Kellners in einer Bar in Como hören durfte.
Ein Stück, das zur schlagartigen Eisschmelze in jedem Negroni-Eimer führt – arrangiert vom Italo-Engländer Anthony Rutherford Mimms, der zur gleichen Zeit auch für Celentano tätig war.

Eric Pfeil: "Azzurro. Mit 100 Songs durch Italien"
Kiepenheuer & Witsch, Köln 2022
368 Seiten, 14 Euro

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