Gleiche Chancen für alle

Die in einem kleinen oberfränkischen Ort gegründete Stiftung mit dem Namen "Ein Erbe für jeden" setzt sich für ein allgemeines Grund-Erbrecht ein. Die Gründungsmitglieder begreifen das als ihre Antwort auf die "Soziale Frage".
Der Weg Richtung Marktleugast windet sich zwischen Feldern und Wäldern durch die oberfränkische Idylle. Die Autobahn Richtung Berlin, Frankfurt oder Nürnberg ist weit weg. Die großen Bankenzentren Deutschlands sowieso. Marktleugast gehörte früher zu einem Klosterbesitz, auf ihre protestantischen Wurzeln sind die Einwohner stolz. Mit Stiftungen der Bürger wurde in dem heute 3200 Einwohner großen Ort Anfang des 20. Jahrhunderts die erste Wasserleitung gebaut. Stiftungen scheinen hier eine lange Tradition zu haben. Selbst anpacken, Ideen verwirklichen. Bürgerliches Eigenengagement wie das von Christoph Prüm:
"Mein Name ist Christoph Prüm. Ich heiße Sebastian Prüm."
In einem Gewerbegebäude aus den 60er-Jahren in Ortsmitte von Marktleugast hat die Stiftung Ein Erbe für Jeden ihren Sitz. Zumindest soll er es werden. Rund um das dreistöckige Haus ist Baustelle, seit einigen Jahren. In den Innenräumen wird gemalert, die Fliesen werden verlegt. Es ist noch viel zu tun an dem Stiftungshaus. Akribisch zeigen Bilder auf der Stiftungswebseite den Fortschritt der Arbeiten von 2011 bis heute. Auch die Kleinsten helfen mit, zeigt ein Foto. Rund zehn Mitstreiter hat die Stiftung, erzählt Sebastian Prüm. Er leitet den Stiftungsvorstand, sein Vater ist Vorstandsvorsitzender:
"Wir glauben, dass jeder Mensch, der auf diese Welt kommt, ein Anrecht hat auf ein Stück von dieser Welt."
Chancengleichheit für die jüngere Generation
Der 64-jährige Christoph Prüm sitzt mit Arbeitshose und Bauschuhen an einem Tisch, sein Sohn daneben. Vor vier Jahren Ende Dezember 2010 gründete er gemeinsam mit seiner Frau die Stiftung Ein Erbe für Jeden. Stiftungskapital ist das Stiftungshaus. Jeder Interessent kann Mitglied werden. Es müsse eine Verbesserung der Chancengleichheit für die junge Generation geben, ist Christoph Prüm überzeugt:
"Eigentlich ist das ganz leicht zu begründen, das kommt aus dem Naturrecht. Das Naturrecht hat die Prämisse, dass jedem Menschen sein Körper gehört, aber er ist nicht vorstellbar ohne die Materie der Welt, der physische Körper braucht Schutz, Land, wo er Nahrung anbauen kann."
Gleich hinter dem Stiftungshaus liegt der Garten. Mensch und Natur, der Körper und seine materiellen Grundlagen – ohne sie geht es nicht, wird hier vorgelebt. Seit Christoph Prüm als Erstklässler an der Mosel erfuhr, dass die Möglichkeiten seiner Mitschüler von dem Geld der Eltern abhing, hatte er die Idee, das ändern zu wollen. Heute gehe es nicht um gleiche Startmöglichkeiten für Jeden. Der Erfolg des Einzelnen beruhe heute meist nur auf geerbten Chancen. Das ärgert ihn:
"Also ganz grob gesagt ist unser politischer Vorschlag und das ist der Zweck der Stiftung, dass jeder soll, wenn er ins Erwachsenenleben eintritt, ein Stück von dem gesellschaftlichen Reichtum der Welt bekommt und das logischerweise von denen die gehen, also nichts mitnehmen können. Was wir wollen ist, dass der Staat dass was er von den Schenkungen oder den Erbschaften abschöpft nicht verbrät, sondern an die ausschüttet, die sonst nichts erben."
15.000 Euro für jeden jungen Menschen
Eine Milliarde Euro werden täglich vererbt, sagt Prüm, eine Milliarde, da sollen nicht für einen einzelnen Jahrgang ein paar Tausend Euro übrig sein? Es gehe ja nicht um eine große Summe. 15.000 Euro für jeden jungen Menschen aus einem sogenannten Erbausgleichsfond an seinem 30. Geburtstag, so stellen sich die Stiftungsmitglieder die Gerechtigkeit der Zukunft vor. Als Pilotprojekt sollen zuerst fünf Probanden ausgelost und wissenschaftlich begleitet werden. Das Startkapital von einer Million Euro müsste von einem Spender kommen.
"Also unsere Vorstellung ist, jemand, der das beantragt sucht sich ein Anlagegut aus, irgendwas Handfestes, das wird geprüft von der ausgebenden Stelle, ob das in Ordnung geht, das wird dann geprüft. Unsere Idee war, dass er das drei Jahre lang halten muss und nicht verbraten sollte."
Ein Jahr liegt noch vor Christoph Prüm, in dem er in seinem regulären Job bei einer Biogasanlagenbaufirma arbeiten muss, danach soll es richtig losgehen: Vorträge, Diskussionsrunden, Werben für die Idee des Erbfond-Gesetzes. So richtig Zeit um Kontakte zu Abgeordneten oder Politikern zu knüpfen hatte er noch nicht. Auch der Kontakt zu Wissenschaftlern, die die Probephase begleiten sollen, gingen noch nicht über informative Gespräche hinaus. Eine große Baustelle, die von den Bayreuthern und Nachbarn anfangs belächelt wurde. Jetzt lässt man die Prüms in Marktleugast in Ruhe.
Das Stiftungshaus ist ja auch noch nicht fertig.
Das Stiftungshaus ist ja auch noch nicht fertig.
