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Interview | Beitrag vom 27.02.2020

Epidemiologe zum CoronavirusWie schnell wird sich die Erkrankung verbreiten?

Martin Eichner im Gespräch mit Axel Rahmlow

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Nur noch wenige Atemschutzmasken hängen im Regal einer Baumarktkette. (picture alliance / dpa / Julian Stratenschulte)
Sorge vor einer Epidemie: In vielen Baumärkten sind die Regale mit Atemschutzmasken wie leergefegt. (picture alliance / dpa / Julian Stratenschulte)

Die Zahl der mit dem Coronavirus Infizierten hierzulande steigt. Um herauszufinden, wie schnell sich das Virus ausbreiten könnte, hat der Epidemiologe Martin Eichner eine Simulation entwickelt. Sie soll helfen, die richtigen Maßnahmen zu ergreifen.

Inzwischen gibt es deutschlandweit immer mehr mit dem Coronavirus Infizierte. Das Innenministerium und das Gesundheitsministerium haben daher einen Krisenstab eingerichtet. Nach Informationen des Robert-Koch-Instituts (RKI) sei das Virus tödlicher als die Grippe. Parallelen gebe es bei den Krankheitsverläufen: Beide führten zu einer Lungenentzündung – und beide seien leicht übertragbar.

Um herauszufinden, wie stark und schnell sich das Virus ausbreiten könnte, hat ein Team um den Epidemiologen Martin Eichner von der Universität Tübingen eine Simulation entwickelt. Hier kann die Ausbreitung der Erkrankung unter verschiedenen Bedingungen nachvollzogen werden: Was ändert sich, wenn der Kontakt unter der Bevölkerung generell reduziert wird? Was, wenn die Betroffenen schneller isoliert werden? Oder: Welchen Einfluss hat der Zeitraum der Quarantäne?

Allerdings seien viele Werte der Simulation noch nicht eindeutig festgelegt, da man noch nicht alles über das Coronavirus wisse, meint Eichner. Zum Beispiel sei noch nicht geklärt, wie tödlich die Erkrankung wirklich sei.

Bisher liegt keine Epidemie vor

Derzeit werden die angesteckten Personen in Deutschland behandelt, weitere Kontakte werden gesucht oder stehen bereits unter Quarantäne. Das Robert-Koch-Institut spricht derzeit noch von keiner Epidemie, weil die Ansteckungswege noch nachvollzogen werden können. Entwickelt wurde außerdem eine sogenannte Eindämmungsstrategie, zum Beispiel durch die Isolation der Verdachtsfälle, sagte Institutsleiter Lothar Wieler.

Einen Impfstoff werde es voraussichtlich innerhalb dieses Jahres nicht mehr geben. Derzeit müsse man davon ausgehen, dass sich das Virus weiter ausbreitet. Das RKI empfiehlt, in die Armbeuge zu husten. Zudem solle man intensiv und oft Händewaschen, um einer möglichen Ansteckung vorzubeugen.

(lkn)

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