Seit 15:05 Uhr Tonart
Montag, 14.06.2021
 
Seit 15:05 Uhr Tonart

Kompressor | Beitrag vom 29.10.2018

Enno Park über die Tücken der SprachsteuerungEin Fingerabdruck von der Stimme

Moderation: Vladimir Balzer

Eine Hand hält ein Smartphone nach oben und spricht hinein. (picture alliance / dpa / Alexander Heinl / Bearbeitung: DLF Kultur)
Sprachsteurung kann auch überlistet werden. (picture alliance / dpa / Alexander Heinl / Bearbeitung: DLF Kultur)

Wenn man einfach durch Sprachbefehle seine Geräte steuern kann, dann werden die Geräte kleiner und handlicher. Sie haben nur noch ein Mikro, keine Regler. Doch sich auf Sprachregelung allein zu verlassen birgt Tücken, warnt der Informatiker Enno Park.

Sprachassistenen erobern immer stärker die Welt der Technik. Der Vorteil der Steuerung allein mit der Sprache ist etwa, dass damit Schalter und Regler überflüssig werden und Geräte so immer kleiner werden können. Der Nachteil allerdings ist auch, dass durch die Reproduziertbarkeit von Sprache auch die Manipulationsmöglichkeiten größer werden. Diese Sorge um Manipultion und Missbrauch von Sprache wird nach Einschätzung des Wirtschaftsinformatikers und Journalisten Enno Park auch die Nutzung und Verbreitung von Sprachassistenten sehr stark einschränken.

Ein Fingerabdruck von der Stimme

Und für Park gibt es noch einen zweiten Grund für die wohl berechtigten Zweifel an einer intensiveren Nutzung von Spracherkennung und der Identifikation durch Sprache: "Wann immer wir einen Befehl an so einen Sprachassistenen absetzen, landet dieser Befehl in der Cloud und wird dort auch von Amazon, Google, Apple usw. gespeichert. Das heißt, da gibt es Stimmproben von uns und von sehr, sehr vielen Menschen in der großen Datenbank." Er sei überzeugt, so Park,  dass hier auch Geheimdienste Zugriff haben und so dann in der Lage seien, Menschen anhand ihrer Stimme zu identifizieren wie mit einem Fingerabdruck.

In der Tram etwa ist die Sprachsteuerung unangenehm

Für bestimmte Alltagsunterstützungen könnten Sprachassistenten aber künftig durchaus eine größere Rolle spielen, etwa auch als Assistenz für Menschen mit körperlichen Einschränkungen. Doch vor allem für die Steuerung von Geräten in der Öffentlichkeit habe die Sprachsteuerung klare Nachteile, so Enno Park. In der Öffentlichkeit wolle kaum jemand, dass alle Anwesenden teilhaben an dem, was unter Umständen sehr privat sei: "Die Benutzung von Sprachassistenten ist hier oft doch sehr unangenehm. Niemand spricht gerne seine Sprachbefehle, wenn er etwa in einer Tram unterwegs ist."

Mehr zum Thema

Spaactor - Neue Suchmaschine für das gesprochene Wort
(Deutschlandfunk, Computer und Kommunikation, 13.10.2018)

Technologie und Sprache - Stirbt die Fremdsprache aus?
(Deutschlandfunk Kultur, Breitband, 28.04.2018)

Constanze Kurz vs. Reinhard Karger - Belauscht und abgehört: Verspielen wir unsere Privatsphäre?
(Deutschlandfunk, Streitkultur, 07.04.2018)

App: Dlf Audiothek

Die neue Dlf Audiothek App ist ab sofort in den Appstores von Apple und Google zum kostenlosen Download erhältlich (Deutschlandradio)

Entdecken Sie mit der Dlf Audiothek die Vielfalt unserer drei Programme, abonnieren Sie Ihre Lieblingssendungen, wählen Sie aus Themenkanälen und machen daraus Ihr eigenes Radioprogramm.


Jetzt kostenlos herunterladen

Fazit

"Sweat"-Ausstellung in MünchenDer Schweiß der Revolte
Buntes Textibild, das vom Leben der Sexarbeiterinnen in Manila erzählt. (Pacita Abad Art Estate / Max McClure)

Die Ausstellung „Schweiß“ im Haus der Kunst in München thematisiert die Widerstandskraft von Körpern. Dabei wird vor allem die postkoloniale Perspektive in den Blick genommen, aber auch der Kampf der Körper in feministischer Kunst der 70er-Jahre.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur