Enissa Amani

    "Behalt' dir deine Unabhängigkeit!"

    45:07 Minuten
    Enissa Amani blickt über die linke Schulter in die Kamera.
    Das Kanzleramt ist noch kein Thema: Enissa Amani hat derzeit andere Pläne, doch politisch engagiert ist sie sowieso. © imago / Horst Galuschka
    Enissa Amani im Gespräch mit Boussa Thiam · 06.08.2021
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    Auch als Grimme-Preisträgerin will Enissa Amani ihr erfolgreiches Format nicht einfach wiederholen. Die Comedienne hat vielmehr ihren ersten Film produziert. Sie beteiligt sich gern an politischen Gesprächen, kritisiert aber "Populismus und Laberei".
    Für das Youtube-Format "Die beste Instanz", ihre Reaktion auf die WDR-Talkshow "Die letzte Instanz", die sich mit Vorwürfen des Rassismus konfrontiert sah, wurde sie mit einem Grimme-Preis ausgezeichnet: die iranisch-deutsche Comedienne, Podcasterin und Youtuberin Enissa Amani.

    Glückwünsche aus dem Iran

    "Es war eine große Ehre", sagt Amani. "Daran merkt man einfach: Wenn man etwas macht und das von Herzen und authentisch macht, dann bekommt oft Aufmerksamkeit – gerade wenn man es nicht erwartet. Ich habe aber gedacht, das geht komplett unter."
    Ihre Verwandtschaft in Iran glaubte aber, sie habe einen Grammy gewonnen, so wie Beyoncé zum Beispiel, nicht den deutschen Grimme-Preis und schickte begeisterte Glückwünsche. "Ich fand das sehr süß, dass sie sich so freuen, und habe das nicht korrigiert."
    Eine Staffel mit Nachfolgesendungen zu "Die beste Instanz" aufbauen, will Amani nicht, die Angebote seien aber da. Es könne gut sein, dass es anlassbezogen eine zweite Sendung geben würde. "Mir gefällt dieser Rebellionsgedanke. Solange ich auf der Bühne genug Geld mache, ist es für mich auch absolut okay, mein Geld in so etwas zu investieren. So schmeckt es mir besser."
    Ihr Vater habe immer zu ihr gesagt: "Du bist eine Frau und hast einen Migrationshintergrund, du wirst dich immer doppelt beweisen müssen. Deshalb behalt' dir deine Unabhängigkeit!"

    Soziale Kontakte im Sommer genießen

    Ihr derzeitiges Lebensgefühl in der Pandemie beschreibt Amani so: "Die Angst vor der vierten Welle ist natürlich da. Ich glaube, wir gehen gerade alle so ein bisschen durch eine posttraumatische oder noch traumatische Situation, weil es sicherlich für uns alle eine komplette Umstellung und auch biografisch gesehen etwas ganz Neues war. Etwas, das uns in der Krise auch weltweit verbunden hat. Aber jetzt ist es doch ein Sommer, wo wir unsere sozialen Kontakte und das Leben langsam wieder ein bisschen genießen können."
    Die Bühne habe ihr zuletzt sehr gefehlt: "Das ist ein großer Faktor meines Lebens als Künstlerin, habe ich gemerkt. Dass ich nicht nur im Internet stattfinde, wie oft fälschlicherweise behauptet wird. Ich bin keine Influencerin, dagegen wehre ich mich ganz vehement – das ist eine ganz eigene Berufsbezeichnung, in der auch viel Internet-Werbung stattfindet, was ich nicht mache."
    Gott sei Dank habe sie andere Projekte gehabt, sei nicht vollkommen abgeschottet gewesen. Dennoch habe sie den Schock verarbeiten müssen: "Ich wollte von meinem Vater wissen, wie sie damals viel größere Krisen, im Sinne von Krieg oder Flucht, überstanden haben. Mein Papa hat mit einer viel größeren Gelassenheit auf die Situation reagiert. Für mich war es wie in einem Science-Fiction-Film, dass die Leute mit Masken und Abständen vor dem Supermarkt standen, alles sehr eingeschränkt, kaum Menschen auf der Straße."

    Die Angst, ein Maskottchen zu werden

    Mit Interesse blickt Enissa Amani auf den Wahlkampf, trifft sich mit Politikern, um ihre Ansichten und Anliegen vorzubringen, immer nach dem Motto: "Wo kann ich meine Plattform nutzen und an wen kann ich das weiterleiten?" Doch sie hat dabei auch das Gefühl gewonnen, "ein bisschen maskottchinisiert" zu werden. In der momentanen politischen Debatte kritisiert sie "viel Populismus, viel Laberei", aber wenig Bereitschaft, ehrlich über die Probleme zu reden.
    Und wie sieht es mit eigenen politischen Ambitionen aus? "Alle fragen, ob ich noch mal für Kanzleramt runne! Sollte es mal den verrückten Move geben, dass Leute in mir vielleicht was in dieser Richtung sehen, dann schließe ich das nicht ganz aus. Jetzt kommt aber erst mal mein Gangsta-Comedy-Film, dann kommt vielleicht etwas Anderes, dann kommt Kanzleramt."
    (cre)
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