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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 13.07.2015

Elias BierdelWas haben Sie mit den Flüchtlingen auf Lesbos erlebt?

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Elias Bierdel, Vorstandsvorsitzender der Hilfsorganisation borderline-europe - Menschenrechte ohne Grenzen e.V. (picture alliance / dpa / Jörg Carstensen)
Elias Bierdel, Vorstandsvorsitzender der Hilfsorganisation borderline-europe - Menschenrechte ohne Grenzen e.V. (picture alliance / dpa / Jörg Carstensen)

Seine Kindheit im Schatten der Berliner Mauer hat Elias Bierdels Abscheu vor restriktiven Grenzregimes schon früh geprägt. Heute gilt der Aktivist als einer der härtesten Kritiker europäischer Flüchtlingspolitik.

Die Grenzüberwachung der EU bekam Bierdel, der als ARD-Auslandkorrespondent unter anderem aus dem Kosovo und Afghanistan berichtet hat und später Leiter der Hilfsorganisation Cap Anamur wurde, 2004 am eigenen Leib zu spüren: Nachdem er auf dem Mittelmeer 37 afrikanische Bootsflüchtlinge gerettet und in Italien an Land gebracht hatte, wurde er wegen angeblicher Beihilfe zur illegalen Einreise festgenommen. Nach jahrelangem Prozess sprachen ihn die Richter zwar frei, doch Teile der deutschen Berichterstattung kritisierten seine Aktion als medienwirksame Inszenierung, Cap Anamur befürchtete einen Imageschaden und distanzierte sich von ihm.

Engagement für mehr Humanität im Umgang mit den Flüchtlingen

Mit seiner Menschenrechtsorganisation Borderline Europe, die Bierdel als Reaktion auf seine Erfahrungen im Fall Cap Anamur ins Leben gerufen hat, beobachtet und dokumentiert der Aktivist seitdem die Lage an den europäischen Außengrenzen und setzt sich für mehr Humanität im Umgang mit Flüchtlingen ein. Der nächste Einsatz von Helfern ist auf der Insel Lesbos geplant.

Dort gerate die Situation außer Kontrolle, berichtete Bierdel im Deutschlandradio Kultur. Die Zustände seien unhaltbar. Flüchtlinge landen an Touristen-Stränden und wissen nicht, wo sie überhaupt sind. Um sich registrieren zu lassen, müssen sie zum Teil drei Tage über die Insel marschieren. Ihnen zu helfen ist aber noch verboten - es kann als Unterstützung des Schlepper-Unwesens ausgelegt werden. Wenigstens diese rechtliche Situation soll sich jetzt ändern.

Aus den Flüchtlingslagern auf Lesbos hat sich die Polizei zurückgezogen

Zugleich gibt es aber inzwischen Flüchtlingslager, aus denen sich laut Bierdel die Polizei zurückgezogen hat - es sei den Beamten zu gefährlich. "Da braut sich etwas Schreckliches zusammen", sagte der Aktivist. Ende des Monats will Borderline Europe auf Lesbos anfangen zu arbeiten - und dafür sorgen, dass die Flüchtlinge nach Anlandung wenigstens in Empfang genommen und mit dem Nötigsten versorgt werden. 

 

Beim Thementag "Das Mittelmeer - Sehnsuchtsort und Flüchtlingsfalle" kooperiert Deutschlandradio Kultur mit der taz. Weitere Beiträge finden Sie auch auf der taz-Themenseite.

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