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Interview / Archiv | Beitrag vom 29.01.2015

Elektronische Übersetzungen "Ein Computer wird das nie können"

Norma Keßler im Gespräch mit Christopher Ricke und Anke Schäfer

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(picture alliance / ZB)
Auf dem Display eines Smartphones ist das Symbol für ein Übersetzungsprogramm dargestellt. (picture alliance / ZB)

Überall im Internet gibt es inzwischen automatische Übersetzungsprogramme. Allerdings taugen Google Translate und Co. nicht viel, meint die Übersetzerin Norma Keßler. Sprache sei "extrem kreativ", und das verstehe der Computer nicht.

24 Amts- und Arbeitssprachen sind derzeit in der EU anerkannt. Entsprechend riesig ist der Apparat von fast 4000 Dolmetschern und Übersetzern, den die EU-Kommission beschäftigt. Mancher mag sich fragen, ob dieser Aufwand im digitalen Zeitalter überhaupt noch notwendig ist oder ob man nicht die menschlichen Übersetzer durch elektronische ersetzen kann.

Computer können weder Ironie noch Wortwitz

"Aus der heutigen Sicht würde ich sagen, das wird nie ein Computer können", sagt sie. "Denn Sprache ist extrem kreativ. Wenn wir nur an Ironie, an Wortwitz, an Sprachspiele denken, das kann ein Computer zumindest bislang nicht verstehen, und damit kann er auch keine guten Übersetzungen liefern."

Die Übersetzungs-Datenbank der EU "Euramis" sei dennoch hilfreich, so die Übersetzerin. Dort würden Satzpaare in der Ausgangs- und der Zielsprache gespeichert. "Und darauf kann ich dann später immer wieder zurückgreifen, wenn ein ähnlicher Satz vorkommt."

Von Übersetzungsprogrammen wie Google Translate riet Keßler hingegen ab: Dort würden lediglich halbfertige Übersetzungen geliefert. "Darauf kann sich keiner verlassen, geschweige denn die Sache mit dem Datenschutz."

 

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