Eldorado für Sternengucker

Sterne lassen sich von Lake Tekapo aus klar erkennen. © NASA/ESA
Von Ingrid Kölle · 16.05.2010
Lake Tekapo, ein Ort mit rund 400 Einwohnern auf Neuseelands Südinsel, macht aufgrund seines dunklen Himmels von sich reden. In klaren Nächten ist dies für Hobby-Sterngucker einer der besten Orte, um den südlichen Sternenhimmel zu erleben.
Mit einem grünen Laserstrahl fährt der Astronom Ade Ashford über den nächtlichen Himmel und zeigt auf Alpha und Beta Centauri. Das mit bloßem Auge zu erkennende Sternsystem liegt unserer Sonne am nächsten und ist etwa viereinviertel Lichtjahre entfernt. Eine Linie von Alpha zu Beta Centauri zeigt auf das berühmte Sternbild "Kreuz des Südens".

Als die internationale Raumstation ISS über den Sternenhimmel rast, bricht eine Gruppe japanischer Touristen in begeistertes Staunen aus.

In Kleinbussen werden interessierte Sterngucker von der Ortschaft Lake Tekapo mit seinem türkisblauen Gletschersee 300 Meter nach oben gebracht. Dort liegt in nur 1000 Meter Höhe auf einer sanft gewölbten Bergkuppe das Mt. John Observatory, Neuseelands führendes astronomisches Observatorium. Busfahrer orientieren sich in der Dämmerung an den weißen Begrenzungslinien am Straßenrand. Scheinwerfer dürfen so nahe am Observatorium nicht mehr eingeschaltet werden. Schon seit Beginn der 1980er-Jahre schützen die Bewohner in der Umgebung des Observatoriums die Sicht auf den Sternenhimmel. Mit strikten Verordnungen gegen Lichtverschmutzung durch künstliche Lichtquellen ist es ihnen gelungen, die Gegend zu einem Paradies für Profi- und Hobby-Astronomen zu machen, erläutert Ade Ashford.

"Die Straßenlichter sind hauptsächlich Natriumdampf-Niederdrucklampen und geben ein gedämpftes, orangefarbenes Licht ab. Dieses Licht strahlt in einem sehr begrenzten Bereich des Spektrums. Wir können es hier oben sehr leicht herausfiltern, sodass es unsere Arbeit nicht behindert. Außerdem sind die Straßenlaternen abgedeckt, sodass das Licht nur nach unten scheint und nicht nach oben."

Ein abendlicher Spaziergang durch Lake Tekapo mit seinem schummrigen, fahlen Licht erinnert an längst vergangene Zeiten. Nirgendwo scheinen hier Neonleuchten oder Flutlichter. Ab 23 Uhr dürfen an Häusern keine Außenlichter mehr brennen. Die Bestimmungen kommen in erster Linie der Forschung zugute. Der Astronom Allan Gilmore ist der ansässige Leiter.

"Wir haben zur Zeit zwei große Forschungsprojekte am Laufen. Das 1,8 Meter Teleskop wird fast ausschließlich dazu verwendet, um mit dem Mikro–Gravitationslinseneffekt nach Planeten in anderen Sternsystemen zu suchen. Mit dem ein Meter Teleskop führen wir hochauflösende Spektroskopie an relativ hellen Sternen durch, um die Geschwindigkeit von Sternen zu messen, um nach extrasolaren Planeten zu suchen oder pulsierende Sterne zu studieren. Das liefert Informationen über die Evolution von Sternen und hilft uns besser zu verstehen, wie die Sonne sich mit der Zeit verändern wird."

Andere Forscher nutzen die Teleskope auch, um nach schwarzen Löchern zu suchen, nach dunkler Materie und erdnahen Asteroiden und Kometen. Hobby-Astronomen und Astro-Touristen kommen nach Neuseeland, um den südlichen Sternenhimmel mit seinen vielen hellen Sternen zu sehen, das Zentrum der Milchstraße und die zwei nahe gelegenen Zwerggalaxien, die Magellanischen Wolken. Lake Tekapo versucht nun auch, aus seinem dunklen Himmel Kapital zu schlagen. Der Unternehmer und Vorsitzende des Tourismusausschusses der Region, Graeme Murray, arbeitet schon seit zehn Jahren darauf hin, dass der Himmel über Lake Tekapo zu einer Stätte des UNESCO-Welterbes erklärt wird.

"Dies ist möglicherweise eines der schönsten, am einfachsten zugänglichen Observatorien der Welt. Es ist nur 18 Minuten von der Stadtmitte entfernt. Der dunkle Himmel ist makellos und steht unter Schutz. Die Gegend hat ein reiches kulturelles Erbe, zurückgehend auf die Maori, die Ureinwohner Neuseelands. Es ist der ideale Standort für ein Sternenlicht-Reservat, vorausgesetzt die UNESCO sieht auch mal nach oben, wenn sie nach künftigen Welterbestätten Ausschau hält."