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Interview / Archiv | Beitrag vom 31.12.2007

Eine "irrwitzige Fantasterei"

Altphilologe Latacz kritisiert Raoul Schrotts Arbeiten zu Homer

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Der Baseler Altphilologe und einer der führenden Homer-Forscher, Joachim Latacz, hat die in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" veröffentlichten Thesen des österreichischen Schriftstellers Raoul Schrott zur Biografie des griechischen Dichters Homer und dessen Werk "Ilias" als "irrwitzige Fantasterei" bezeichnet.

Dieser verwegene Versuch, die etablierte Altertumswissenschaft zu blamieren, sei jedoch misslungen, sagte Latacz. Der Hauptaspekt sei, dass Homer, der im achten Jahrhundert vor Christus gelebt und geschrieben hat, Troja – den Schauplatz Ilias – eindeutig lokalisiert habe. An dieser Lokalisation zweifle in der Altertumsforschung niemand. Nur Raoul Schrott habe diese Ortsbestimmung in Zweifel gezogen. Doch dessen Zusammenstellung der Fakten stimme nicht. Deshalb hätten die Thesen von Schrott in der FAZ nicht veröffentlicht werden dürfen.

Zwar sei diese Veröffentlichung nicht mit der Veröffentlichung der gefälschten Tagebücher im Stern zu vergleichen. Dennoch hätte sie nicht erscheinen dürfen. Latacz wörtlich: "Die Fälschung der Hitlertagebücher von Kujau hatte ja einen wirklich gewaltigen politischen Hintergrund und entsprechende Konsequenzen – dies hier hat nicht diese Dimension. Aber es ist auf jeden Fall eine Geschichte, die man niemals in dieser Größenordnung hätte herausbringen dürfen. Es ist ganz deutlich eine Zusammenstellung von aus verschiedenen Zusammenhängen herausgerissenen Fakten und aus Büchern zusammengelesenen Dingen. Herr Schrott, der ein vergleichender Literaturwissenschaftler und ein altertumswissenschaftlicher Laie ist, hat sie zusammengeführt. Um das beurteilen zu können, muss man Altertumswissenschaften studiert haben. Wenn man das nicht hat – und das hat Herr Schrott nun einmal nicht –, dann kann über diese Dinge nicht professionell und damit auch nicht sehr beeindruckend für die Fachwelt sprechen."

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