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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 03.02.2010

Ein letztes Mal das Herz verlieren

Dorothea Razumovsky: "Letzte Liebe", Verlag Weissbooks, Frankfurt/M. 2009, 151 Seiten

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Überall ist es besser, wo man gebraucht und nicht nur beschäftigt wird.  (Deutschlandradio / Bettina Straub)
Überall ist es besser, wo man gebraucht und nicht nur beschäftigt wird. (Deutschlandradio / Bettina Straub)

Die 1935 geborene Dorothea Razumovsky ist Journalistin und erfolgreiche Sachbuchautorin; ihr jetzt erschienenes literarisches Debüt hat sie ihren elf Enkelkindern gewidmet. Als Motto wählte sie ein Zitat von Oscar Wilde: "Die Tragödie des Alters besteht nicht darin, dass man alt ist, sondern dass man jung ist."

"Wie konnte ich nur so dämlich sein, freiwillig in dieses Heim zu gehen?" Das fragt sich die Heldin dieses ebenso klugen wie unterhaltsamen Romans, in dem eine alte Frau allen Klischees trotzt und listig die Freiheit statt der betulichen Versorgung wählt.

Sie ist freiwillig ins Seniorenstift gezogen, um dem Terror der geldgierigen Stieftochter zu entgehen. Nun sitzt sie in dieser Alten-Bewahr-Anstalt, die den Bewohnern vorschreiben will, wie sie zu leben und zu fühlen haben.

Die Heldin dieses ungewöhnlichen literarischen Debüts denkt jedoch nicht daran, sich als hilflose und aus der Zeit gefallene Oma einzurichten. Sie macht einen Computerkurs, surft im Internet und reflektiert kühl ihre Lage. Die bietet nicht viele Überraschungen, wenn man sich an die Heimordnung hält.

Dabei hat das Leben der Frau Professor bislang sowieso nicht viel geboten: Titel und Ansehen hat sie vom verstorbenen Mann mitbekommen, der die Ehe mit ihr, der ehemaligen Sekretärin, vor allem als praktische Angelegenheit gestaltete. Kein Wunder, dass sie von einer letzten Liebe träumt, die ihr im Altersheim in Gestalt eines soignierten Herren zu begegnen scheint.

Die dramaturgisch versierte, 1935 geborene literarische Debütantin führt uns auf die Spur des zu erwartenden Klischees - Sex im Altersheim -, um es dann ironisch und klug zu brechen. Der verstorbene Ehemann sah in ihr nie die Geliebte, der alte Mitbewohner hält sie für seine Mutter. Liebe in Alzheimer-Zeiten. Gut, dass die kluge Heldin einen Hund hat, denn der ist nicht nur ein wahrer Freund, der Bewegung fordert, sondern führt sie tatsächlich direkt in eine Liebesgeschichte der besonderen Art. Am Ende bricht sie auf ins Ungewisse, scheut weder vor langen Flugreisen noch vor Veruntreuung zurück. Überall ist es besser, wo man gebraucht und nicht nur beschäftigt wird.

Besprochen von Manuela Reichart

Dorothea Razumovsky: Letzte Liebe
Verlag Weissbooks, Frankfurt a.M., 2009
151 Seiten, 18,80 Euro

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