Ein Kunstexperte zwischen den Fronten

Der spanische Schriftsteller Eduardo Mendoza © picture-alliance / dpa
20.08.2012
Historienroman, Politthriller und Liebesgeschichte. Der spanische Autor Eduardo Mendoza hat einen spannenden Roman über den spanischen Bürgerkrieg und Faschismus vorgelegt. Sämtliche Figuren sind frei erdacht - das macht die Geschichte umso rasanter.
Eduardo Mendoza, bekannt als Verfasser von üppigen, satirischen und höchst unterhaltsamen Romanen im Panorama-Format, erzählt in seinem neuesten Buch aus einer Epoche, die derzeit im Fokus namhafter spanischer Autoren zu stehen scheint: Es geht um die Monate vor dem Ausbruch des Spanischen Bürgerkriegs, als soziale Gegensätze, politischer Extremismus und der Kampf um die Kräfteverteilung in Europa Spanien zum vorgelagerten Schauplatz des Zweiten Weltkriegs machten. Erst vor kurzem hat Antonio Munoz Molina über genau diese Zeit einen dicken und akribisch recherchierten Roman herausgebracht, in dem er auch die republikanische Seite nicht ungeschoren davonkommen ließ.

"Katzenkrieg" ist ein – durchaus gewollt - despektierlicher Titel in diesem historischen Zusammenhang; denn wie ein Katzenkampf nimmt sich für den englischen Kunstexperten Anthony Whitelands die Lage in Madrid Anfang 1936 aus. In nur wenigen Tagen wird der Velazquez-Experte zur Schlüsselfigur in einem undurchschaubaren Spiel und sieht sich in die Vorbereitungen zum Militärputsch verwickelt. Dabei macht er eine sensationelle Entdeckung und verstrickt sich in fatale Affären mit gleich drei Frauen.

Mendozas Roman führt das Historiendrama gewissermaßen als Burleske auf, mit einer im Schrank versteckten Lauscherin, einem hinkenden Spitzel, heroischen Dichter, zwei triebhaften Marquisen, einem unbeugsamen Herzog und noch ein paar Genrefiguren mehr. Und ebenso wie sein Kollege Munoz Molina es getan hat, macht er auch historische Gestalten zu Romanfiguren: Der Präsident der Republik, Manuel Azana, tritt höchstpersönlich mit einem längeren Monolog auf, ebenso der Chef der Falange, José Antonio Primo de Rivera, den Mendoza als eher sympathischen Wirrkopf zeichnet, - und dann ist da natürlich noch der kleine dickliche, von allen unterschätzte General Francisco Franco.

Whitelands’ vergebliche Versuche, die turbulente spanische Wirklichkeit mit seinem britisch logischen Akademikerverstand zu ordnen, müssen natürlich scheitern - zumal da noch die drei Damen im Spiel sind, die seine rationale Steuerung zeitweise völlig lahmlegen.

Mendozas Buch ist, so unterhaltsam und teilweise parodistisch es daherkommt, auch ein interessanter Beitrag zur spanischen Vergangenheitsbewältigung: Es beschreibt mit leichter Hand, wie eine Farce in eine Tragödie mündet.

Besprochen von Katharina Döbler

Eduardo Mendoza: Katzenkrieg
Aus dem Spanischen von Peter Schwaar
Nagel & Kimche, München 2012
416 Seiten, 24,90 Euro