Ein Junggesellen-Dasein
Der Held des Romans "Der letzte Weynfeldt" ist ein liebenswerter, überaus höflicher und hilfsbereiter Mensch. Er lebt allein in der Wohnung seiner Kindheit, in einem Haus, das ihm selbst gehört. Der Liebe hat er längst abgeschworen. Doch dann begegnet ihm eine junge Frau, die ihn dazu bringt, sie mit zu sich nach Hause zu nehmen.
Er hat zwei großartige Romane geschrieben, "Small World" und "Die dunkle Seite des Mondes". Seitdem ist der 1948 geborene Schweizer Martin Suter, der mittlerweile in Spanien und Guatemala lebt, ein Autor, den man Ernst nimmt. "Small World", sein Debütroman, erzählt von der allmählichen Bewussteins-Verdunkelung eines Alzheimer-Patienten, "Die dunkle Seite des Mondes" von einem toughen Wirtschaftsanwalt, der nach dem Genuss psychedelischer Pilze außer Rand und Band gerät. Vor allem der zweite Roman ist ein Buch, das man nicht vergisst. So stark und eigentümlich ist die Stimmung, die es erzeugt: ein grelles Oszillieren zwischen cooler Business-Welt und wilder Sehnsucht nach Wald und Einsamkeit.
Die "Business Class" hat Martin Suter immer wieder beschrieben. In seinen gleichnamigen Kolumnen für die "Weltwoche" und das Magazin des "Tagesanzeigers" sowie in den Geschichten um Geri Weibel, die im "NZZ-Folio" erschienen sind. Wie seine Kolumnen liegen sie auch in Buchform bei Diogenes vor. Von kenntnisreich entlarvender Komik, sind sie genau die richtige Lektüre, um die Ehrfurcht vor jenen zu verlieren, die sich, nur weil sie Geld und Einfluss haben, furchtbar wichtig nehmen.
Adrian Weynfeldt, der 54-jährige Held des neuen Romans, ist nur scheinbar einer von ihnen. Zwar stammt er aus einer einst sehr reichen Industriellenfamilie, von deren Vermögen noch genug übrig ist, dass er keinen Tag mehr arbeiten müsste (was er dennoch tut: als Kunstexperte eines internationalen Auktionshauses), aber er ist ein liebenswerter, keineswegs arroganter, überaus höflicher und hilfsbereiter Mensch. Er lebt allein in der 500-Quadratmeter-Wohnung seiner Kindheit, in einem Haus, das ihm selbst gehört. Einziger Mieter ist eine Bank, deren Überwachungskameras ihm ganz recht sind, denn er hat eine stattliche Kunstsammlung in seiner Wohnung. Der Liebe hat er längst abgeschworen. Doch dann begegnet ihm eine junge Frau, die ihn dazu bringt, sie mit zu sich nach Hause zu nehmen. Am nächsten Morgen steht sie auf seinem Balkon und will sich das Leben nehmen.
Lorena ähnelt auf fatale Weise seiner großen Liebe, einer jungen Engländerin, die vor 30 Jahren bei einem Autounfall ums Leben kam, kurz nachdem sie ihn verlassen hatte. Es gelingt ihm, Lorena zu retten, nicht nur dieses eine Mal. Wann immer sie Hilfe braucht, meldet sie sich bei ihm. So mischt sie sich in sein Leben und seine Geschäfte ein, nicht gerade skrupellos, aber doch mit einer gehörigen Portion betrügerischer Energie.
Wie oft bei Martin Suter geht es auch hier um das Doppelgänger-Motiv, das nicht nur über die beiden sich ähnelnden Frauen entfaltet wird, sondern auch über ein Kunstwerk des Schweizer Malers Félix Vallotton. Ist das Bild eines weiblichen Rückenakts, das bei einer Auktion versteigert wird, das Original oder eine Fälschung? Darum entspinnt sich eine Krimi-Handlung, die durchaus spannend und unterhaltsam ist, aber einfach zu viel Kolportage enthält. Der letzte Weynfeldt ist eine liebenswerte Figur, der Roman gleichen Namens aber ein billiges Remake: Martin Suter kopiert Hitchcock - und sich selbst.
Rezensiert von Meike Feßmann
Martin Suter: Der letzte Weynfeldt.
Roman. Diogenes Verlag, Zürich 2008,
314 Seiten, 19,90 Euro.
Die "Business Class" hat Martin Suter immer wieder beschrieben. In seinen gleichnamigen Kolumnen für die "Weltwoche" und das Magazin des "Tagesanzeigers" sowie in den Geschichten um Geri Weibel, die im "NZZ-Folio" erschienen sind. Wie seine Kolumnen liegen sie auch in Buchform bei Diogenes vor. Von kenntnisreich entlarvender Komik, sind sie genau die richtige Lektüre, um die Ehrfurcht vor jenen zu verlieren, die sich, nur weil sie Geld und Einfluss haben, furchtbar wichtig nehmen.
Adrian Weynfeldt, der 54-jährige Held des neuen Romans, ist nur scheinbar einer von ihnen. Zwar stammt er aus einer einst sehr reichen Industriellenfamilie, von deren Vermögen noch genug übrig ist, dass er keinen Tag mehr arbeiten müsste (was er dennoch tut: als Kunstexperte eines internationalen Auktionshauses), aber er ist ein liebenswerter, keineswegs arroganter, überaus höflicher und hilfsbereiter Mensch. Er lebt allein in der 500-Quadratmeter-Wohnung seiner Kindheit, in einem Haus, das ihm selbst gehört. Einziger Mieter ist eine Bank, deren Überwachungskameras ihm ganz recht sind, denn er hat eine stattliche Kunstsammlung in seiner Wohnung. Der Liebe hat er längst abgeschworen. Doch dann begegnet ihm eine junge Frau, die ihn dazu bringt, sie mit zu sich nach Hause zu nehmen. Am nächsten Morgen steht sie auf seinem Balkon und will sich das Leben nehmen.
Lorena ähnelt auf fatale Weise seiner großen Liebe, einer jungen Engländerin, die vor 30 Jahren bei einem Autounfall ums Leben kam, kurz nachdem sie ihn verlassen hatte. Es gelingt ihm, Lorena zu retten, nicht nur dieses eine Mal. Wann immer sie Hilfe braucht, meldet sie sich bei ihm. So mischt sie sich in sein Leben und seine Geschäfte ein, nicht gerade skrupellos, aber doch mit einer gehörigen Portion betrügerischer Energie.
Wie oft bei Martin Suter geht es auch hier um das Doppelgänger-Motiv, das nicht nur über die beiden sich ähnelnden Frauen entfaltet wird, sondern auch über ein Kunstwerk des Schweizer Malers Félix Vallotton. Ist das Bild eines weiblichen Rückenakts, das bei einer Auktion versteigert wird, das Original oder eine Fälschung? Darum entspinnt sich eine Krimi-Handlung, die durchaus spannend und unterhaltsam ist, aber einfach zu viel Kolportage enthält. Der letzte Weynfeldt ist eine liebenswerte Figur, der Roman gleichen Namens aber ein billiges Remake: Martin Suter kopiert Hitchcock - und sich selbst.
Rezensiert von Meike Feßmann
Martin Suter: Der letzte Weynfeldt.
Roman. Diogenes Verlag, Zürich 2008,
314 Seiten, 19,90 Euro.
