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Interview | Beitrag vom 23.12.2020

"Ein Dorf wehrt sich" im ZDFWie einfache Bergleute Kunstwerke retteten

Gabriela Zerhau im Gespräch mit Stephan Karkowsky

Filmstill aus "Ein Dorf wehrt sich": In einem Tunnel des Salzbergwerks stehen die Bergarbeiter Sepp Rottenbacher (Fritz Karl), Johann Dörfler (Gerhard Liebmann), Heini (Franz Grieshofer), Flori (Lorenzo Walcher) und Willi (Daniel Keberle) und blicken ernst in die Kamera. (ZDF / Bernd Schuller)
Stille Helden: Die Bergarbeiter Sepp Rottenbacher (Fritz Karl, r.), Johann Dörfler (Gerhard Liebmann, M.), Heini (Franz Grieshofer, l.), Flori (Lorenzo Walcher, 2.v.l.) und Willi (Daniel Keberle) im Bergwerk. (ZDF / Bernd Schuller)

Am Ende des Zweiten Weltkrieges will ein fanatischer Gauleiter eine österreichische Salzmine sprengen, um die dort lagernde Raubkunst zu vernichten. Mutige Bergleute verhindern die Wahnsinnstat. Diese wahre Geschichte zeigt nun das ZDF.

Die Stollen der Salzmine im österreichischen Altaussee wurden am Ende des Zweiten Weltkrieges zu einem riesigen unterirdischen Museum: Gemälde von Rembrandt, Tizian, Raffael, Dürer, Cranach, Rubens, Vermeer und Michelangelo lagerten hier. Raubkunst, die Adolf Hitler in das Salzbergwerk schaffen ließ, um sie dort vor den Fliegerbomben der Alliierten in Sicherheit zu bringen.

Doch dann fasste Gauleiter August Eigruber den Plan, die Mine im April 1945 in die Luft zu sprengen. Der Krieg war verloren, und Eigruber wollte ironischerweise abgeworfene, aber nicht explodierte amerikanische Fliegerbomben nutzen, um alles zu vernichten, was dem Feind in die Hände fallen konnte.

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Dagegen haben sich 1945 einfache Bergleute gewehrt. Sie trieb nicht die Angst um die Kunstschätze, sondern der Wunsch, die Mine zu erhalten, berichtet die Regisseurin Gabriela Zerhau, die über die Geschichte einen Spielfilm gedreht hat.

In ihrem Film habe sie die Beziehungen der Figuren zueinander verdichtet, sagt Zerhau. Ansonsten entspräche "sehr viel der historischen Wahrheit". Die Bergleute schafften es schließlich, die Bomben aus der Mine zu holen, und versenkten diese dann in einem See.

Kampf um die eigene Lebensgrundlage

Die Bergarbeiter kämpften um ihre Lebensgrundlage und wurden dabei zu Helden. Von ihrem Mut hätten sie aber nicht profitiert, sagt Zerhau. Andere schmückten sich nach dem Krieg mit der Rettung der Kunstwerke. Die Bergleute seien hingegen still zu ihrer Arbeit in der Mine zurückgekehrt, die Geschichte sei ehemals "sehr verdreht" worden, so Zerhau.

Nun hat die Regisseurin den Mut der Bergleute mit ihrem Film gewürdigt. Zerhau lebt selbst in Altaussee, dort wurde der Film erstmals gezeigt. Sie habe vor der Premiere "große Angst" gehabt, wie dieser aufgenommen werden würde, gesteht die Regisseurin. Doch dann habe es großen Applaus gegeben, und sie habe viel Zuspruch bekommen.

Möglicherweise gebe es auch Bürger, die mit dem Film nicht einverstanden seien, "aber die haben sich bei mir noch nicht gemeldet", sagt sie.

(ahe)

"Ein Dorf wehrt sich. Das Geheimnis von Altaussee" ist bereits vorab in der ZDF-Mediathek zu sehen. Im linearen Programm läuft der Film am 30.12. um 20.15 Uhr.

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