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Kompressor | Beitrag vom 09.08.2018

Egyptian Lover auf Kampnagel EP "808 Beats" - Verneigen vor der Drum Machine

Von Alexandra Friedrich

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Gregory Broussard alias Egyptian Lover (Egyptian Lover)
Gregory Broussard alias Egyptian Lover: "You say 8 0 motherfucking 8!" (Egyptian Lover)

Gregory Broussard hat in den 80er Jahren Untergrundhits wie "Egypt Egypt" Geschichte gelandet. Insider verehren ihn. Nun hat der 54-Jährige seinem Lieblingsinstrument, der Drum Machine 808, ein Denkmal gesetzt. Mit einer EP "808 Beats" und einer Party auf Kampnagel.

Egyptian Lover – unter diesem Pseudonym landete Gregory Broussard in den 80er Jahren Untergrundhits wie "Egypt Egypt", "And My Beat Goes Boom" und "What Is a DJ If He Can’t Scratch". Er war so etwas wie ein Pionier im Verborgenen – Insider kennen und verehren ihn, die große Masse hat noch nie von ihm gehört – und wohl auch nicht von seinem Lieblingsinstrument: der Drum Machine 808.

Dieser bis heute ikonischen Roland TR 808 hat der 54-jährige Kalifornier jetzt mit einer neuen Veröffentlichung ein Denkmal gesetzt: Der erste Teil der EP-Serie "808 Beats" ist am Mittwoch veröffentlicht worden, auf Kampnagel in Hamburg hat es deswegen eine große Party gegeben. 

"It’s 808 day, y’all! So I want you to do one thing: enjoy your life!" 

808-Tag ausgerufen

Wir sollen unser Leben genießen, sagt Greg Broussard, besser bekannt als Egyptian Lover, an dem von ihm selbst ausgerufenen "808 day".

"808" ist ein Modell einer analogen Drum Machine. Ursprünglich 1980 von der Firma Roland auf den Markt gebracht und gefloppt. 1982 hat Gregory Boussard die Drum Machine für sich entdeckt – durch einen Song des New Yorker Hip Hoppers Afrika Bambaataa.

Broussard erinnert sich: "Ich habe die 808 zuerst in dem Song Planet Rock gehört. Drum machines waren damals noch total unbekannt, niemand wusste, was das ist. Ich sagte: 'Okay, ich muss das haben' und kaufte mir sofort eine 808. Seitdem habe ich die nicht mehr davon gelassen."

"Es ist der Sound. Wenn Du die Drums hörst, willst Du einfach nur Party machen und tanzen."

Egyptian Lover nutzt die 808 seit den frühen Achtzigern – auch zusammen mit seiner Ex HipHop-Formation Uncle Jamm’s Army. Zu der hat auch der Rapper und Schauspieler Ice-T gehört.

1988 hat sich die Crew aufgelöst. Die Musik von Uncle Jamm’s Army sowie die Soloveröffentlichungen von Egyptian Lover allerdings sind geblieben - als Wegbereiter für die US-amerikanische Electrofunk- und HipHop-Szene. Die Drum-Machine 808, die sie vor vielen anderen eingesetzt haben, hat sich inzwischen sogar im Mainstream-Pop etabliert.

Auch in Whitney Houston’s "I Wanna Dance With Somebody" ist die Drum Machine zu hören. Und Popsternchen Britney Spears besingt sie sogar in ihrem Song "Break The Ice": "My heart’s beating like an 808".

Kampnagel-Party

Wie aber hat sich der Altmeister des 808, der Drum-Machine, gestern auf Kampnagel geschlagen?

Gregory Broussard steht hinter den Turntables – wie ein Fels. Massiv, massig, majestätisch – sein Künstlername Egyptian Lover ist schließlich auch von einer Majestät inspiriert, dem altägyptischen Pharaonen Tutenchamun. Er beginnt seine Performance reglos wie die Pyramiden von Gizeh, während das Publikum sofort anfängt, ausgelassen zu tanzen.

Das tanzende Publikum könnte unterschiedlicher kaum sein. Schlaksige HipHopper von 19 bis 49 wippen dezent mit ihren Basecap-Köpfen, daneben tanzen durchtrainierte Tanktop-Träger kunstvolle Choreographien, hüpfen Damen im mittleren Alter in ihren Blümchenkleidern und silberhaarige Anzugträger tanzen ungelenk aber konsequent gegen den Takt.

Das diverse Publikum – vielleicht erklärt sich das durch die ganz unterschiedlichen Künstler, die Egyptian Lover inspiriert haben. Neben Afrika Bambaataa sind das zum Beispiel auch "Kraftwerk".

Aus all den unterschiedlichen Einflüssen hat Egyptian Lover vor rund 35 Jahren seinen charakteristischen Sound entwickelt und dem will er treu bleiben.

Mehr zum Thema

Roland TR-808 - Als ein Drumcomputer die Dance Music revolutionierte
(Deutschlandfunk Kultur, Tonart, 09.12.2016)

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(Deutschlandfunk Kultur, Klangkunst, 24.10.2016)

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