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Tonart | Beitrag vom 08.12.2017

Ed SheeranZweifelhafte Begegnung mit der Wirklichkeit

Von Ina Plodroch

Ed Sheeran bei seinem Auftritt bei der 52. Goldenen Kamera am 04.03.2017 in Hamburg. Er wurde dort als "Beste Musik international" mit der Goldenen Kamera ausgezeichnet.  (picture alliance / dpa / Christian Charisius)
Ed Sheeran bei seinem Auftritt bei der 52. Goldenen Kamera am 04.03.2017 in Hamburg. Er wurde dort als "Beste Musik international" ausgezeichnet. (picture alliance / dpa / Christian Charisius)

Eine norwegische Initiative hat Ed Sheeran mit dem Rusty Radiator Award ausgezeichnet. Der Musiker habe sich bei einer Reise nach Liberia in einem Video vor allem selbst inszeniert und obdachlose Kinder nur als Kulisse benutzt.

An ihm führt in dieser Woche kein Weg vorbei: Ed Sheeran. Erst singt er das "Perfect Duet" mit Beyoncé, beteiligt sich am kommenden Eminem-Album und ist auch noch meistgestreamter Musiker 2017. Zumindest beim Streaming-Riesen aus Schweden. Aber all diese Nachrichten haben den Rusty Radiator Award überschattet. Den hat er auch noch bekommen. Eine Initiative aus Norwegen verleiht den Preis an den, na ja, "besten" "Poverty Porn". 

Um Spenden zu sammeln, ist Ed Sheeran Anfang des Jahres nach Liberia gereist. Im Video steht er am Strand und wundert sich: Warum surfen hier keine coolen Typen auf den Wellen, hier liegen ja obdachlose Kinder in den Booten.  

Am Ende des knapp fünfminütigen Spendenaufrufs in Videoform resümiert Sheeran: Die Kinder dort zu lassen, sei das Härteste, was er je tun musste. Tja, armer Ed Sheeran, er muss das wirklich arme Liberia verlassen. Was wohl die Kinder über sein First World Problem denken? Ed Sheeran stelle sich selbst zu stark in den Vordergrund, findet die Initiative aus Norwegen. Die Armut zeige er bloß am Rande und dann auch noch mit den üblichen Bildern. Daher der Poverty-Porn-Preis für ihn. Das Gegenteil von gut ist eben gut gemeint. 

Levine suspendiert

Vermutlich meinte es die Metropolitan Opera in New York auch nur gut, als sie sich im letzten Jahr zu Folgendem entschlossen hat: Wir wissen zwar, dass unser Stardirigent James Levine beschuldigt wird, Jungen sexuell missbraucht zu haben. Aber wir schützen den mutmaßlichen Täter. 

Die "New York Times"  und die "New York Post" hatten den Fall Levine vor ein paar Tagen öffentlich gemacht. Dem 74-Jährigen wird in mehreren Fällen  Missbrauch vorgeworfen, der früheste Fall fällt in das Jahr 1968. Der Met wurde das dann doch zu heiß. Das berühmte Opernhaus gab bekannt: Levine ist suspendiert. 

Trauer um Johnny Hallyday

Blond, blaue Augen und viel Rock’n’Roll: Johnny Hallyday. "Der größte französische Sänger ist gestorben – du warst eine Legende, ein echter Rockstar!" Findet Madonna auf Twitter. Die Franzosen haben ihren Lieblingsrebellen verloren, der laut Präsident Macron in jedem Franzosen steckt. Ein Nationalheld, der mit 74 Jahren an Krebs gestorben ist. Was jetzt folgen soll: ein Trauermarsch auf den Champs-Elysées, und auf den Eiffelturm wird die Botschaft "Merci Johnny" projiziert.

Stars mit 15-Sekunden-Videos

Quasi von den Toten auferstanden: der Bravo-Starschnitt. Dass die Jugendliche 39 Wochen lang die Bravo kaufen, um endlich die Beatles überdimensional an der Zimmerwand hängen zu haben, wie damals, daran glaubt selbst die Bravo nicht mehr. Vier Wochen reichen, um die Popsternchen Lisa und Lena lebensgroß an die Wand zu pappen. Zwillinge, 15 Jahre alt und die Stars auf Musical.ly.

Musical.ly ist ein soziales Netzwerk für Menschen, die zu jung für Snapchat sind. In der App laden Lisa und Lena 15-sekündige Karaoke-Videos von aktuellen Popsongs hoch. Fertig ist das Star-Dasein.

Kochbuch von Feist statt CD 

Der neue Song ist in dieser Woche gar kein Song, sondern die Essenz einer Studioaufnahme. Die kanadische Musikerin Feist hat "The Meals of An Album" angekündigt. Das ist im Grunde einfach ein Kochbuch. 40 vegetarische Rezepte, die jeden der elf Studiotage dokumentieren, in denen das aktuelle Album "Pleasure" entstand. Grüner Salat oder Leslie Feists Lieblingspancake ohne Mehl. Musik geht durch den Magen. Oder Kochbücher verkaufen sich zu Weihnachten mittlerweile besser als CDs.

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