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Interview / Archiv | Beitrag vom 18.05.2018

Ebola-Ausbruch im KongoWettlauf gegen das Virus

Maximilian Gertler im Gespräch mit Nicole Dittmer und Julius Stucke

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Ein Mann geht in Liberias Hauptstadt Monrovia an einer roten Wandmalerei vorbei, die vor dem Ebola-Virus warnt (picture alliance / dpa / Ahmed Jallanzo)
Warnung vor dem Ebola-Virus: Eine Wandmalerei in Liberias Hauptstadt Monrovia. (picture alliance / dpa / Ahmed Jallanzo)

Im Kongo gibt es einen ersten bestätigten Ebola-Fall in einer Millionenstadt, hunderte Helfer sind bereits dorthin entsandt. Wird es gelingen, den Ausbruch schnell einzudämmen? Der Arzt Maximilian Gertler war 2014 in Westafrika dabei und weiß, was nun passiert.

Ebola ist zurück in Afrika - das tödliche Virus war nie ganz weg, doch das gelegentliche Aufflammen in ländlichen und eher dünn besiedelten Regionen ließ sich bisher ganz gut kontrollieren. Doch nun gab es einen ersten Fall in der Millionenmetropole Mbandaka im Kongo. Die WHO ist in großer Sorge und hat hunderte Helfer entsandt. 

"Man nimmt an, dass Ebola sein Reservoir bei Fledermäusen im afrikanischen Urwald hat", sagt Maximilian Gertler, Facharzt für Innere Medizin und Ebola-Experte für Ärzte ohne Grenzen. Er war auch vor vier Jahren in Westafrika im Einsatz, wo der bisher verheerendste Ausbruch seit der Entdeckung des Virus' mehr als 10.000 Menschen das Leben kostete. "So lange das Reservoir existiert, so lange das Virus existiert und auch Berührungspunkte da sind, kann es zu Ausbrüchen kommen." Diese seien nicht vorhersagbar. 

Behandlung bei Ebola nur unterstützend

Wichtig sei vor allem ein funktionierendes Gesundheitssystem vor Ort - um die Erkrankten zu versorgen und ihre Kontaktpersonen zu identifizieren. Jedoch: "Die medizinischen Möglichkeiten, um gegen die Krankheit vorzugehen, sind nach wie vor begrenzt", sagt Gertler. Die Patienten würden in erster Linie isoliert, damit sie niemanden anderes infizierten. Die Therapie sei immer nur unterstützend, es gibt kein Medikament, das das Virus selbst im Körper bekämpft. Bis zu 90 Prozent der Erkrankten sterben an der Infektion. "Wir hatten dramatische Sterberaten vor allem bei ganz kleinen Kindern und bei Schwangeren", erzählt Gertler über die Situation in Westafrika im Jahr 2014. "Nie haben wir so ein massenhaftes Sterben vorher gesunder junger Menschen erlebt wie in diesem Ausbruch."

Freiwillige in Schutzanzügen begraben einen Ebola-Toten in Waterloo, 30 Kilometer südostlich von Feetown / Sierra Leone (AFP / Florian Plaucheur)Freiwillige in Schutzanzügen begraben im Jahr 2014 einen Ebola-Toten in Waterloo in Sierra Leone. (AFP / Florian Plaucheur)

In den kommenden Tagen sollen 50 Tonnen Material an die Helfer im Kongo gesandt werden, um Behandlungsstationen aufbauen zu können. Doch auch die Aufklärung der Bevölkerung sei enorm wichtig. "Das Virus verbreitet sich in der Abwesenheit von Hygiene, dort, wo viel körperliche Kontakte mit Erkrankten ohne Schutzmaßnahmen sind", sagt Gertler. Auch, dass viele der Helfer Weiße seien, könne Misstrauen schüren. 

Impfstoff noch in der Testphase 

Viele Jahrzehnte habe man nicht nach einem Impfstoff gesucht, erzählt Gertler. Das habe sich nach dem großen Ausbruch 2014 geändert. Dieser Impfstoff wird nun auch im Kongo eingesetzt werden. "Natürlich sind die Zahlen von Menschen, an denen das getestet wurde, noch begrenzt, und es gibt keine endgültige Zulassung dieses Impfstoffs. Es handelt sich also immer noch um eine Impfung im Rahmen von Studien - darüber sollte man sich im Klaren sein."

Doch man habe aus der schlimmen Epidemie von 2014 gelernt, schätzt Gertler die Lage ein. Was schon jetzt in der Region an Fachleuten mobilisiert sei, "das hätten wir uns im Frühjahr 2014 nur wünschen können für die Menschen dort". (inh)

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