E10 – das Ärgernis

E10 könnte ein lehrreiches Produkt sein, weil es den Sinn für Ökologie schärft, meint Ernst Rommeney. © picture alliance / dpa
Von Ernst Rommeney, Deutschlandradio Kultur · 08.03.2011
Der Vorschlag ist listig, aber gut. Möge doch die Automobilindustrie eine Garantie für jede Baureihe abgeben, die den neuen Kraftstoff E10 verträgt. Natürlich würde diese den Auto fahrenden Kunden nicht von allen Sorgen befreien. Er muss an der Zapfsäule schon selbst entscheiden – möglichst selbstbewusst und eben nicht unsicher.
Nein, eine Garantie einzufordern, ist mehr eine politische Übung. Die Hersteller würden sich bekennen. Sie haben sich mächtig bei der Politik ins Zeug gelegt, aktuelle Umweltstandards flexibel einführen zu dürfen, das heißt, sie erst vollständig mit jenen Modellen umzusetzen, die derzeit entwickelt werden.

Nun sollen die Autobauer bitte die Verantwortung tragen. Sie konnten wählen, wie sie den Schadstoffausstoß weiter senken wollen. Und sie entschieden sich für eine neue Benzinsorte. Als Ingenieure, die Spitzentechnologie verkaufen, reicht es nicht, die Stirn in Falten legen.

E10 einzuführen, ist mehrfach misslungen. Doch dies ist nicht das Ärgernis. Wir streiten ja ebenso über den ökologischen Nutzen moderner Energiesparlampen, welche die Glühbirne ersetzen sollen. Wirklich ärgerlich ist, dass wir hierzulande Klimaschutz geloben, aber hinterrücks behindern, ja sogar schroff ablehnen, soweit er die eigenen Interessen und Gewohnheiten stört.

Statt Schlagzeilen kontra E10 würde ich gerne eine Kampagne für die Agenda 2020 sehen. Schließlich weiß die deutsche Wirtschaft, dass ihre industrielle Zukunft ganz wesentlich an das weite Themenfeld der Energieeffizienz gebunden ist - und nicht nur, weil Forschung und Entwicklung staatlich subventioniert werden.

Die Eckpunkte sind wieder so klar wie vor dem letzten Konjunktureinbruch. Die Preise für Rohstoffe, vor allem für das Öl steigen, aber auch für Nahrungsmittel. Wir sollten also reagieren, denn zahlen müssen wir sowieso. Es fragt sich nur wofür.

E10 mit Ethanolanteil führt weg vom fossilen Öl und hat als eine seiner Quellen erneuerbare Energieträger. Doch das Biobenzin teilt mit dem Erdöl die Qualität zu schade zu sein, um verheizt und verfahren zu werden. Aus Naturprodukten, aus Pflanzen sollten Lebensmittel oder kostbare Rohstoffe für die Industrie gewonnen werden.

Es sind die landwirtschaftlichen Abfälle, die Biomasse, die sich anbieten, Energie zu erzeugen, nicht um Benzin und Diesel, sondern Wärme und Strom zu gewinnen. Denn dabei ist die Ausbeute größer. So gesehen ist E10 ein Produkt von gestern. Auch als Energiewirte sind Bauern gezwungen, sich ständig umzustellen.

Deutschland hat derzeit nicht das Problem, dass auf knappen Flächen der Pflanzenanbau für Lebensmittel vom dem für Energie verdrängt würde. Das sieht in der Dritten Welt anders aus. Es wäre schlimm, wenn die reichen Nationen einseitig und massiv die Agrarmärkte mal mit ihrem Überangebot mal mit einem Nachfragesog belasteten.

Und doch könnte E10 ein lehrreiches Produkt sein. Es schärft den Sinn für Ökologie. Und das bedeutet auch, jede Maßnahme kann nur eine unter vielen sein, vielleicht auch nur vorübergehend helfen, weil sie sich ständig bewähren muss. Doch so debattieren wir nicht, sondern werfen - vor lauter Umweltbewusstsein – erst einmal die Flinte ins Korn.