Düstere Aussichten für den Blätterwald

Von Klaus Remme · 07.07.2008
Eine Wachstumsbranche sieht anders aus. Seit Jahrzehnten schrumpft die Zahl der Zeitungen, der Zeitungsleser, der Auflagen, sinken die Einnahmen durch Anzeigen. Auch wenn die stärkste Konkurrenz in den letzten Jahren durch das Internet erwachsen ist, der Trend setzte weit früher ein, in den 70er Jahren, so Arlene Morgan, Professorin an der Journalistenschule der Columbia University in New York.
Arlene Morgan: "There is an absolute correlation with how women became more professional and went to work."

Die Auflagen sanken im Verhältnis zur steigenden Zahl von Frauen im Beruf, so Morgan, und sie sinken weiter, um etwa drei Prozent jährlich. Besonders betroffen nicht etwa in erster Linie die kleinen Blätter, sondern Zeitungen in Ballungsräumen wie Atlanta, San Diego oder Dallas. Das Internet und die Flut von Nachrichten, die dort per Mausklick zur Verfügung stehen, sind vor allem, aber nicht nur, für die jüngere Generation scheinbar die oft bequemere Alternative.

2007 schauten nur noch 33 Prozent der 18- bis 24-Jährigen in eine Zeitung, bei den 25- bis 34-Jährigen kaum mehr. Die Prozentzahlen für ältere Leser sind zwar höher, doch auch hier sind die Zahlen im Vergleich zu Vorjahren fallend, bei den 35- bis 44-Jährigen um 10 Prozent seit dem Jahr 2000.

Kein Wunder, wenn sich dies in sinkenden Anzeigenerlösen niederschlägt. Der aktuelle Jahresbericht des Projekts für Exzellenz im Journalismus weist branchenweit einen Verlust von sieben Prozent im Jahr 2007 aus. Das Problem: Die Flucht der Anzeigenkunden ins Internet kommt nicht etwa den Online-Auftritten der Zeitungen zugute, sondern Betreibern von Suchmaschinen wie Google. Das Unternehmen strich im vergangenen Jahr knapp die Hälfte aller Online-Werbegelder ein. Bei den Kleinanzeigen haben Anbieter wie eBay und craigslists längst den Markt erobert.

Die Konsequenz: drastische Sparmaßnahmen bei Zeitungen wie dem "Boston Globe" oder der "Los Angeles Times", besonders betroffen die Auslandsberichterstattung.

Und die Perspektiven der gedruckten Blätter sind düster, Zeitungen wie die "New York Times" und die "Washington Post" bauen ihre Online-Auftritte aus, im erwähnten Jahresbericht schleichen sich Töne eines Abgesangs ein und Arlene Morgan prophezeit schweren Herzens:

"I give them maybe 15 or 20 years …"

Ich gebe den Druckausgaben noch 15, 20 Jahre, das war's dann, sagt sie, und äußert eine Befürchtung:

"I believe, that there are a lot of people who are getting nothing. They are not buying these papers, and they are not online…"

Ich glaube, es gibt eine Menge Leute, die bekommen gar nichts mehr mit, die sind nicht online, die kaufen auch keine Zeitung, die wollen nichts. Und das macht mir Sorgen, so Professorin Morgan von der Columbia University.