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Studio 9 | Beitrag vom 23.07.2018

Dürrevorsorge in KeniaKamele statt Kühe

Von Linda Staude

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Kenianerin in rotem Gewand steht in ihrer Kamelherde (Linda Staude)
"Du musst Kamele haben, sonst bist Du in Schwierigkeiten, wenn es eine Dürre gibt", sagt Maryam Alinada. (Linda Staude)

Für einen Liter Kamelmilch gibt es in Kenia doppelt so viel wie für Kuhmilch. Und gesünder soll sie auch noch sein. Kamele sind angesichts des Klimawandels im Kommen, denn die Tiere werden mit Hitze und Dürre viel besser fertig als Kühe oder Ziegen.

Der dumpfe Klang von hölzernen Glocken schallt über die sandige Ebene. Eine Herde Kamele zieht mit majestätischen Schritten zwischen dornigen Büschen und vereinzelten Akazien hindurch. Die Tiere fressen das lange, gelbe Gras und zupfen Blätter von den Bäumen. Ein riesiger Hengst, alle anderen Stuten und Jungtiere – 130 insgesamt

"Das ist großer Reichtum. Meine Familie ist von den Tieren abhängig. Ich habe vier Männer eingestellt, die sich um die Kamele kümmern."

Kamele als Armutsvorsorge

Maryam Alinada stammt aus Isiolo, einem Städtchen mitten in einer der vielen Halbwüsten in Kenia. Die Menschen hier leben von der Viehzucht: Ziegen, Schafe, ein paar Kühe – und Kamele. Ihre Zahl hat sich in ganz Kenia verdreifacht in den vergangenen Jahren. Seit der Klimawandel immer häufigere und längere Dürren bringt.

"Du musst Kamele haben, sonst bist Du in Schwierigkeiten, wenn es eine Dürre gibt. Kamele fressen alles, solange sie Wasser kriegen. Die anderen Tiere halten die Dürre nicht aus, sie sterben."

Junge melkt Kamel, Vorderbein links ist hochgebunden (Linda Staude)Empörung bei der Kamelstute, Freude beim Hirten: Melken mit abgebundenem Bein. (Linda Staude)

Kamele hat es in Isiolo schon immer gegeben, aber Sofia Ahmed hat sich mit anderen Frauen aus der Stadt zusammengetan, um sie professionell zu vermarkten. Ihre Kooperative heißt Anileo, hat bereits 100 Mitglieder und verkauft vor allem Milch.

Frauenkooperative verkauft Kamelmilch

Die Kamelstute röhrt empört. Einer der Hirten hat ihr ein Vorderbein hochgebunden, damit sie beim Melken nicht davonlaufen kann. Die Milch fließt in einen knallgelben Plastikkanister. Eine ganze Reihe davon steht schon gefüllt im Schatten und wartet auf das Motorradtaxi, das sie in die Stadt bringt.

Eine Gruppe Frauen wartet am Eingang des großen Lagerhauses auf die Lieferung von ihren Kamelherden.

"Wir registrieren, wieviel Liter jedes Mitglied abgeliefert hat. Dann wird die Milch durch ein Sieb gegossen und in diesem Auffangtank gesammelt. Von dort geht sie in den Kühltank."

Frauen bringen ihre Milch in eine Sammelstelle                       (Linda Staude)Die Geschäfte lohnen sich: Milchsammelstelle der Frauenkooperative (Linda Staude)

Gerald Mudevi ist Lebensmittelchemiker und arbeitet in der Milchsammelstelle der Kooperative im Zentrum von Isiolo. Der Kühltank fasst 3.500 Liter und wurde der Kooperative von Hilfsorganisationen aus den Niederlanden und der Schweiz gestiftet.

Kamelmilch ist doppelt so teuer wie Kuhmilch

"Sie haben uns auch geschult. Wir haben alles über Hygiene und Sauberkeit gelernt, über Geschäftsführung, über das Bankwesen. Davon hatten wir vorher keine Ahnung. Sie haben uns in vielen Dingen geholfen."

Das Geschäft mit der Kamelmilch lohnt sich. Zwar sind die Tiere relativ teuer. Aber dafür zahlen die Großhändler in Nairobi für den Liter Kamelmilch auch fast doppelt so viel wie für Kuhmilch.

"Seit die Regierung in Somalia gestürzt wurde, sind viele Somalier nach Kenia gekommen. Sie sind unsere besten Kunden."

Weil sie traditionell an Kamelmilch gewöhnt sind. Aber inzwischen sind auch andere auf den Geschmack gekommen. Gerald Mudevi etwa hat früher ausschließlich auf Kuhmilch geschworen. Jetzt nicht mehr.

"Kamelmilch ist lecker. Und sie ist gut für die Gesundheit. Der Vitamin C-Gehalt ist höher als in Kuhmilch. Und die Rohmilch enthält Stoffe, die das Immunsystem stärken."

Ein guter Kaufanreiz für die gesundheitsbewußte Mittelschicht in Kenia - und anderswo in der Welt.

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