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Mittwoch, 16.10.2019
 
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Konzert / Archiv | Beitrag vom 16.06.2019

DSO live aus der Philharmonie BerlinMusikalischer Brennpunkt Paris

Moderation: Volker Michael

Der Dirigent Mikhail Tatarnikov (DSO Berlin)
Bereits in Berlin bekannt: Der Dirigent Mikhail Tatarnikov ist für den erkrankten Lionel Bringuier eingesprungen. (DSO Berlin)

Paris steht im Mittelpunkt dieses DSO-Programms. Als Debütant ist der russische Dirigent Mikhail Tatarnikov eingesprungen. Gespielt werden Prokofjews 4. Sinfonie und Roussels Spinnenballett. Gautier Capuçon interpretiert Saint-Saëns' 1. Cellokonzert.

"Ein Festmahl der Spinne" und "der Verlorene Sohn" – sehr gegensätzlich sind die Inhalte, die die Komponisten Albert Roussel und Sergej Prokofjew zu Musik angeregt haben. Beide lebten und wirkten im Paris der 1910er- und 1920er-Jahre. Der eine komponierte ein Insektenballett, der andere ein biblisches Tanzstück.

Ganz nahe an den imaginierten Klängen der Krabbeltiere orientierte sich Albert Roussel in seinen Tanzszenen, die so poetische Bilder wie den Tanz der Schmetterlinge, das Schlüpfen der Fliegen und den Einzug der Ameisen beschreiben. Doch letztlich geht es darwinistisch zu in diesem Insektenballett. Die Starken fressen die Schwachen, auch die Spinne dient am Ende einem noch gefrässigeren Tier als Nahrung: der Gottesanbeterin.

Symphonische Extrakte aus Balletten

Ganz um biblische Vergebung und ewige Vaterliebe dreht sich dagegen Prokofjews Ballett "Der Verlorene Sohn". Um ihre jeweiligen Ideen in den Konzertsaal zu bringen, schrieben sowohl Prokofjew als auch Roussel symphonische Extrakte aus ihren Balletten. Die "Sinfonischen Fragmente aus dem Ballett das Festmahl der Spinne" gehören zu Albert Roussels beliebtesten Werken. Sergej Prokofjew dagegen haderte mit Gehalt und Ausdruck seiner vierten Sinfonie, die er aus nicht verwendeten Skizzen zum Ballett "Der Verlorene Sohn" gewonnen hatte.

Viele Jahre später, nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, arbeitete er deshalb in Moskau diese C-Dur-Sinfonie komplett um. Die Neufassung gewann die Sympathie der Musikszene, allerdings hat dieses Werk nie die Popularität der ersten und fünften Sinfonie erreicht. Dabei steht sie diesen Stücken in Originalität und Überzeugungskraft nichts nach.

Der Cellist Gautier Capuçon schaut in die Kamera. Dabei stützt er seinen Kopf auf seine linke Hand. (Matthew Tammaro/DSO)gern gesehener Gast beim DSO Berlin: Der fanzösische Cellist Gautier Capuçon. (Matthew Tammaro/DSO)

Ein Cellokonzert voll "Technik und Eleganz, bon sens und Originalität, Logik und Anmut" hat nach Meinung des Dirigenten Hans von Bülow Camille Saint-Saëns mit seinem ersten Beitrag zur Gattung geschaffen. Diesen Renner des Repertoires spielt an diesem Abend in der Berliner Philharmonie der französische Cellist Gautier Capuçon, gern gesehener Gast beim DSO Berlin.

Dirigent springt ein

Der russische Dirigent Mikhail Tatarnikov ist in diesem Konzert für den erkrankten Lionel Bringuier eingesprungen und gibt damit sein Debüt beim DSO Berlin. Berlin und Deutschland insgesamt kennt er bisher nur aus dem Operngraben heraus, bereits in Hamburg und an der Staatsoper in Berlin hat er große Produktionen betreut. Er hat das vorgesehene Programm unverändert übernommen.

Live aus der Philharmonie Berlin

Albert Roussel
Sinfonische Fragmente aus dem Ballett "Le Festin de l'Araignée" (Das Festmahl der Spinne) op. 17

Camille Saint-Saëns
Konzert für Violoncello und Orchester Nr. 1 a-Moll op. 33

ca. 20.55 Uhr Konzertpause, darin: Elisabeth Hahn über das neue Online-Konzertarchiv des DSO Berlin, außerdem Mikhail Tatarnikov im Gespräch mit Volker Michael. Die Konzertpause können Sie hier nachhören:

Sergej Prokofjew
Symphonie Nr. 4 C-Dur op. 112

Gautier Capuçon, Violoncello
Deutsches Symphonie-Orchester Berlin
Leitung: Mikhail Tatarnikov

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