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Konzert / Archiv | Beitrag vom 13.06.2021

DSO Berlin mit Manfred HoneckRückkehr mit Walzer

Moderation: Volker Michael

Der Dirigent Manfred Honeck schaut mit aufgestützem Kinn in der Hand direkt in die Kamera. (Manfred Honeck / Felix Broede)
Dirigent Manfred Honeck liebt ausgedehnte Wanderungen - wie einst Beethoven. (Manfred Honeck / Felix Broede)

Mit einem Wiener Walzer begrüßt das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin sein Publikum, das wieder live dabei sein darf. Manfred Honeck dirigiert Ludwig van Beethovens 5. Sinfonie, Starcellist Alban Gerhardt interpretiert Schostakowitsch.

"Hereinspaziert!" - mit offenen Armen und einem Wiener Walzer diesen Titels begrüßen das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin und der Dirigent Manfred Honeck die Menschen, die wieder Publikum sein dürfen, nach vielen Monaten Zwangspause. Seit Oktober 2020 fanden ausschließlich Radiokonzerte statt.

Der Dirigent ist nicht das erste Mal beim DSO Berlin. Doch diesmal recht spontan und anfangs der Saison nicht eingeplant. Der Österreicher Honeck ist Chefdirigent beim Pittsburgh Symphony Orchestra - aber dorthin kann er momentan noch nicht reisen.

Da er ein waschechter Wiener Musiker ist, hat sich Honeck für den Beginn dieses speziellen Konzertes etwas Besonderes ausgedacht. Er wählt einen Wiener Konzert-Walzer, allerdings keinen von Johann Strauß, sondern von Carl Michael Ziehrer.

Der war der letzte Hofkapellmeister der k. u. k. Monarchie und ein Komponist, der den alten Genres Walzer und Operette noch einmal neues Leben einhauchen konnte.

Schostakowitsch: verstörend und versöhnlich

Einen wunderbaren Solisten gibt es auch in diesem Programm: Alban Gerhardt. Er spielt das zweite Cellokonzert von Dmitrij Schostakowitsch, ein tiefernstes, manchmal verstörendes, dann wieder lyrisch-versöhnliches Stück, das nicht so oft zu hören ist.

Der Cellist Alban Gerhardt blickt an den Wirbeln seines Cellos vorbei in die Kamera. (Alban Gerhardt / Sim Canetty-Clarke)Der Cellist Alban Gerhardt verknackste sich bei den Proben zu dem Konzert einen Fuß - zum Glück blieben die Finger unverletzt. (Alban Gerhardt / Sim Canetty-Clarke)

Zumeist wird das erste Cellokonzert von Schostakowitsch gespielt – das zweite, mit der Opuszahl 126, ist ein Spätwerk.

Konzentriert wie ein Biathlet

Schostakowitsch hat es, genau wie sein erstes, für den Cellisten Mstislaw Rostropowitsch komponiert. Es markiert den Beginn seines kargen, harten, scharfen und unsentimentalen Spätstils. Das Schlagzeug tritt klangfarblich in den Vordergrund, vor allem mit den hölzernen und dumpfen Klängen.

Rostropowitsch und Schostakowitsch probierten neue Griffkombinationen aus - diese und viele andere Herausforderungen des Stücks meistert Alban Gerhardt mit der Disziplin und Konzentration eines Biathleten. Ein puckernder Puls dürfe den Fingern keinen Streich spielen, meint der Cellist, der aus Berlin stammt und seit einigen Jahren in Spanien lebt. 

Musik für die Jakobiner

Es sei Musik "für die Jakobiner, für den Citoyen". Das sagt der Wiener Komponist Hanns Eisler in seiner Wahlheimat DDR 1962 über Beethovens Sinfonien, insbesondere die mittleren. Und das stimmt sicher auch noch heute - und speziell für die fünfte Sinfonie Beethovens.

Zeitlose Musik ist diese Sinfonie, auch im Jahr eins nach dem Beethoven-Gedenk- und Feierjahr, meint der österreichische Dirigent. Honeck ist sicher: Er könnte sich jeden Tag sein ganzes Leben lang mit Beethoven beschäftigen und würde immer wieder Neues entdecken.

Live aus der Philharmonie Berlin

Carl Michael Ziehrer
"Hereinspaziert!"- Walzer op. 518 aus der Operette "Der Schätzmeister" 

Dmitrij Schostakowitsch
Konzert für Violoncello und Orchester Nr. 2 op. 126

Ludwig van Beethoven
Sinfonie Nr. 5 c-Moll op. 67

Alban Gerhardt, Violoncello
Deutsches Symphonie-Orchester Berlin
Leitung: Manfred Honeck

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