Druck auf Ungeimpfte

    Geld fürs Impfen?

    08:38 Minuten
    Eine Krankenschwester impft in einem temporären Impfzentrum mit dem Wirkstoff von Johnson & Johnson.
    Die Impfquote soll erhöht werden, darüber sind sich viele einig. Doch wie? Darüber gehen die Meinungen und Ansätze auseinander. © picture alliance/dpa/Daniel Karmann
    Holger Lengfeld im Gespräch mit Julius Stucke · 11.08.2021
    Audio herunterladen
    Die Impfbereitschaft mit der Abschaffung von kostenlosen Coronatests zu erhöhen, davon hält der Soziologe Holger Lengfeld nicht viel. Er plädiert für einen unideologischen und pragmatischen Ansatz: Man könnte Menschen fürs Impfen bezahlen.
    Kostenfreie Schnelltests soll es nach den Bund-Länderberatungen ab Mitte Oktober nicht mehr geben. Was aber macht dieser Druck mit Menschen, auch wenn man ihn epidemiologisch für genau richtig hält? Ist das die richtige Antwort auf die Impfmüdigkeit?


    Der Soziologe Holger Lenfeld sieht darin einen Versuch der Politik, die Impfbereitschaft in der Bevölkerung kurz vor der Bundestagswahl mit möglichst wenig Aufwand zu erhöhen, aber mehr auch nicht. Dass manche sich bisher nicht impfen ließen, könnte in der Sommerzeit auch schlicht mit Bequemlichkeit zu tun haben.

    "Es gibt einen großen Rückhalt für diese Maßnahmen"

    Bisher sei die Bereitschaft, die pandemischen Maßnahmen von Bund und Ländern mitzutragen, "immer relativ groß" gewesen, sagt Lengfeld. Auch wenn sie im Lauf der Zeit etwas abgenommen habe, gebe es auch weiterhin "einen großen Rückhalt für diese Maßnahmen".
    Kostenlose Coronatests zu streichen, sei in diesem Zusammenhang eine "minimalinvasive Maßnahme", sagt der Soziologe. Eine Impfpflicht könnte hingegen zu "grundsätzlicheren, auch ideologischen Debatten" in der Gesellschaft führen.

    Ist Geld ein Impfanreiz?

    In Experimenten habe die Forschung nachgewiesen, dass die Impfbereitschaft durch monetäre Anreize erhöht werden könne, sagt Lengfeld. Das würde allerdings eine unideologische, pragmatische Haltung in der Politik voraussetzen, also Menschen für etwas Geld zahlen, das andere für umsonst tun würden.
    Wenn das Ziel eine zu 90 Prozent geimpfte Bevölkerung sei, dann sollte man diese Art von Impfanreiz ernsthaft diskutieren und als Testversuch starten, sagt Holger Lengfeld: "Man suche sich eine Kleinstadt, und versuche das dort als Projekt und schaut, was dort passiert."
    (jde)
    Mehr zum Thema