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Sonntag, 12.07.2020
 
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Konzert / Archiv | Beitrag vom 11.06.2020

Dresdner Philharmonie exklusiv aus dem Dresdner Kulturpalast Von Haydn zu Hindemith - Klangbrücken I

Moderation: Stefan Lang

Die Musiker stehen auf einigen Rängen des neuen Konzertsaales. (Dresdner Philharmonie / Markenfotografie)
Die Dresdner Philharmonie spielt nur für unsere Mikrophone, ohne Publikum. (Dresdner Philharmonie / Markenfotografie)

Drei Abende gestaltet Dirigent Marek Janowski für Deutschlandfunk Kultur: er kombiniert Sinfonien von Joseph Haydn mit Kammermusik von Paul Hindemith. Klassische Unterhaltungsmusik wird durch raue, desillusionierte Musik geerdet.

Dirigent Marek Janowski spannt eine große Klangbrücke von 150 Jahren. Auf der einen Seite die hochbezahlten, hochgelobten und beliebten Sinfonien eines Joseph Haynds, andererseits erklingt Musik, die im 20. Jahrhundert entstanden ist. 

Ein Dirigent steht auf der Bühne und leitet konzentriert eine Aufführung. (Dresdner Philharmonie / Oliver Killig)Strenger Blick von Marek Janowski für präzises Spiel der Dresdner Philharmoniker. (Dresdner Philharmonie / Oliver Killig)

Die Pariser Konzertgesellschaft "Concert de la Loge Olympique" fasste damals ein Orchester von 60 Musikern. Für damalige Zeiten war das eine enorme Größe. Haynd wurde gebeten, einige Sinfonien zu komponieren. Der Bitte wurde ein mehr als großzügiges Honorar hinterlegt. Zwei dieser sehr unterhaltsamen Werke sind der Rahmen für Hindemiths Kammermusiken. 

Wilde Musikalität 

Diese entstanden in den 1920er Jahren. Sie sind mit einem anti-romantischen Gestus konzipiert, dunkel und bedrohlich steigen die Bläser in Opus 36 Nr. 3 ein. Die laute Lebendigkeit der 20-er Jahre wird darin transportiert.

Eine Geigerin steht vor einem Orchester und schwingt ihren Bogen weit nach oben. (Dresdner Philharmonie / Oliver Killig)Arabella Steinbacher zu Gast bei den Dresdner Philharmonikern. (Dresdner Philharmonie / Oliver Killig)

Die Besonderheit in diesem Fall: die Solovioline steht einem größeren Bläser- und Streicherapparat gegenüber, bei dem die Geigen aber ausgespart sind. Solo-Violine wird hier also wörtlich genommen.

Der Mann der Bratsche

Hindemith war auf der Suche nach einem "unverbrauchten" Instrument und entdeckte für sich die Bratsche. Ein altes Instrument, schon immer in der Streicherfamilie präsent, aber fast nie im Rampenlicht. Hindemith schrieb viel für die dunklere Klangfarbe der Viola - er selbst spielte sie regelmäßig neben der Violine.

Ein Mann präsentiert auf einem Schwarz-weiß-Foto sein Streichinstrument. (mago images / United Archives International / WHA)Paul Hindemith hier mit seiner Bratsche. (mago images / United Archives International / WHA)

Die Kammermusik Nr. 4 steigt mit einem hektischen, trotzigen Gestus ein - die Viola muss sich virtuos präsentieren. Aber auch sehnsuchtsvolle Farben tauchen auf. Diese werden im letzten Satz, der "Variante eines Militärmarsches" unterbrochen. Doch der Marsch verliert sich unvermittelt und plötzlich - die Sinnlosigkeit des Krieges lässt sich nicht besser kommentieren.

Die beiden Solisten Arabella Steinbacher und Antoine Tamestit haben kurzfristig ihre Zusagen für diesen außergewöhnlichen Radio-Zyklus gegeben und sind nach Dresden gekommen.

Live aus dem Kulturpalast Dresden

Joseph Haydn
Sinfonie Nr. 82 C-Dur ("L'Ours")

Paul Hindemith
Kammermusik Nr. 4 op. 36 Nr. 3 für Violine und größeres Kammerorchester

Paul Hindemith
Kammermusik Nr. 5 op. 36 Nr. 4 für Bratsche und größeres Kammerorchester

Joseph Haydn
Sinfonie Nr. 87 A-Dur

Arabella Steinbacher, Violine
Antoine Tamestit, Viola
Dresdner Philharmonie
Leitung: Marek Janowski

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