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Im Gespräch | Beitrag vom 06.01.2020

Drehbuchautorin & Regisseurin Anika Decker"Ich war sehr oft Kleinmausi"

Moderation: Gisela Steinhauer

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Portrait der Regisseurin und Drehbuchautorin Anika Decker in einer schwarzen Stehkragenjacke mit Blumenaufdruck. (imago images / Sven Simon)
"Ich glaube, alle Kreativen sind tendenziell auch sehr unsichere Menschen", sagt Drehbuchautorin Anika Decker. (imago images / Sven Simon)

Anika Decker hatte mit dem Drehbuch zu „Keinohrhasen“ ihren Durchbruch. Doch dann musste ihre Karriere wegen schwerer Krankheit pausieren. Im Gespräch erzählt sie auch, wie sie mit Übergriffen und Stalking in der Filmbranche umgehen musste.

Das Filmbusiness kennt Anika Decker bestens: Dort jobbt sie schon als Studentin und lernt Til Schweiger kennen. Zusammen schreiben sie das Drehbuch für den Kino-Erfolg "Keinohrhasen". Für sie der Durchbruch, der 2010 vorerst ein jähes Ende findet.

Es beginnt vor neun Jahren mit einer Nierenbeckenentzündung, die eine Blutvergiftung verursacht. Die Ärzte wollen Anika Deckers Leben retten und versetzen sie acht Tage lang in ein künstliches Koma. "Nach acht Tagen Koma kann man noch nicht einmal einen Löffel halten, sprich: Man muss alles neu lernen", sagt sie. Insgesamt sechs Monate braucht sie 2010, um wieder zurück ins Leben zu finden.

Nachdem Decker begriffen hat, was sie überlebt hatte, sei sie von Dankbarkeit erfüllt. "Es hat mich noch mehr gelehrt, das Leben in jeder Sekunde zu lieben und aufzusaugen und zu genießen und mich nicht mehr so viel mit irgendwelchem Blödsinn zu beschäftigen."

Auf ihren eigenen Krankheitserfahrungen basierend, veröffentlicht sie in diesem Jahr ihren ersten Roman "Wir von der anderen Seite". Eine Lehre ihrer Erfahrungen: Man erkennt, wer die wirklich guten Freunde sind: "Ich habe rigoros ein paar Freundschaften beendet und das hat mir sehr gut getan."

Drehbuchautoren fordern mehr Rechte 

Sie freut sich sehr über den Erfolg ihres ersten Buches: "Ich glaube, alle Kreativen sind tendenziell auch sehr unsichere Menschen. Bei jedem Buch denke ich, Mist, jetzt werde ich ertappt, jetzt werden alle merken, dass ich das überhaupt nicht kann."

Nicht mal fünf Jahre nach ihrer schweren Erkrankung debütiert Decker bei der Komödie "Traumfrauen" auch als Regisseurin. Das macht ihr viel Spaß, strapaziert aber auch ihre Nerven: "Dreharbeiten sind eigentlich so, dass man keine Sekunde überlegen kann, und man darf eigentlich keine Fehler machen, sonst hat man sofort Überstunden und Überstunden sind teuer."

Harte Arbeit, große Erfolge, aber auch Rückschläge: Decker kennt alle Facetten des Filmbusiness. Auch Übergriffe auf Frauen sind ihr nicht fremd: "Auch ich war sehr oft Kleinmausi." Dazu gehöre es, im Schneideraum neben einem übergriffigen Chef zu sitzen oder gestalkt zu werden.

Als sie sich einmal über einen Stalker in einer Produktionsfirma beschwert, verliert sie ihren Job. Der Beschuldigte darf bleiben. Die Arbeitsbedingungen für Drehbuchautoreninnen und -autoren seien verheerend gewesen, sagt Anika Decker. "Ein Minimum an Respekt oder Umgangsformen findet manchmal gar nicht statt."

Sie gehört deshalb zu inzwischen über 200 deutschen Drehbuchautoreninnen und -autoren, die "Kontrakt 18" unterzeichnet haben. Mit der im Juni vergangenen Jahres  ins Leben gerufenen Selbstverpflichtung soll erreicht werden, dass Drehbuchautoreninnen und -autoren wesentlich mehr Mitsprache- und Kontrollrechte bei der Entstehung ihrer Filme haben. "Ich schätze die Schlagkraft von 'Kontrakt 18' schon als sehr groß ein."

(cg)

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