Samstag, 16.10.2021
 

Plus Eins | Beitrag vom 07.05.2021

Dreharbeiten auf der Intensivstation„Ich habe auch geweint“

Moderation: Utz Dräger

Filmszene aus der Dokumentation "Charité intensiv". Das Foto in verschischter Ästhetik ein Behandlungszimmer auf der Intensivstation. (Carl Gierstorfer)
Die Arbeit an der Dokumentation „Charité intensiv“ habe ihn in eine Art manischen Zustand versetzt, sagt Carl Gierstorfer. (Carl Gierstorfer)

Für die Doku „Charité intensiv“ begab sich der Journalist Carl Gierstorfer in das Zentrum der Pandemie – und filmte den Alltag auf einer Intensivstation. Er erzählt von Momenten, in denen es keine richtigen oder falschen Entscheidungen mehr gibt.

Andreas Krennmair wird positiv auf Corona getestet. Er ist noch jung, gehört in keine Risikogruppe. Trotzdem findet er sich nach kurzer Zeit mit Atemnot auf der Intensivstation wieder. Dort wird dem Familienvater eine Lungenembolie diagnostiziert und er steht vor einer existenziellen Entscheidung: Stimmt er einer lebensbedrohenden Behandlung zu – oder geht er das Risiko von schweren Langzeitfolgen ein?

Die emotionale Dimension unterschätzt

Der Filmemacher und Biologe Carl Gierstorfer hat Andreas Krennmair während der Dreharbeiten zu seiner Doku-Serie "Charité intensiv" kennengelernt und bis in den OP hinein mit der Kamera begleitet. In "Plus Eins" berichtet Carl Gierstorfer von seinen Begegnungen mit Ärztinnen und Ärzten, Patientinnen und Patienten und Pflegenden.

Er erzählt von Angst, Hilflosigkeit und Momenten, in denen es keine richtigen oder falschen Entscheidungen mehr gibt. Und er gibt zu, dass er die emotionale Dimension seines Projektes völlig unterschätzt hat: "Ich habe auch geweint."

Ärzte und Pflegepersonal mit müden, abgekäpften Gesichtern gemeinsam bei einer Besprechung. (Carl Gierstorfer) „Für mich war die Station auch ein Fluchtort“, sagt Carl Gierstorfer. (Carl Gierstorfer)

Die drei Monate, die er Anfang des Jahres für seine Serie unter Corona-Bedingungen auf der Berliner Intensivstation verbracht hat, haben Carl Gierstorfer in eine Art manischen Zustand versetzt, ohne jedes Privatleben.

"Ich konnte da immer hin"

"Für mich war die Station auch ein Fluchtort. Ich konnte da immer hin, und ich konnte da bleiben, und ich war eigentlich nur zum Essen zu Hause, zum Kopieren des Materials, zum Schlafen." Am Ende war er selbst Teil der Geschichte. Und – es hat ihn verändert.

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