Canda Jane Dorsey: „Drag Cop“

    Miss Marple mit Gendersternchen

    03:39 Minuten
    Das Cover des Krimis "Drag Cop" von Candas Jane Dorsey
    © Suhrkamp Verlag

    Canda Jane Dorsey

    Aus dem kanadischen Englisch von Conny Lösch

    Drag CopSuhrkamp, Berlin 2021

    362 Seiten

    11 Euro

    Von Sonja Hartl · 11.02.2022
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    Eine ambisexuelle Privatdetektivin, ihre Katze und viele Freund*innen: Canda Jane Dorseys „Drag Cop“ ist ein kanadischer LGBQI-Krimi, der mit vielen Regeln des Genres bricht und erstklassige Unterhaltung bietet.
    Eigentlich wollte die namenlose, ambisexuelle Ex-Sozialarbeiterin und Ich-Erzählerin in Candas Jane Dorseys „Drag Cop“ nur einer Bekannten einen Gefallen tun und den Mord an deren Enkeltochter untersuchen. Schließlich steht eine drogensüchtige Prostituierte nicht gerade ganz oben auf der Prioritätenliste der Polizei. Am Ende jedoch hat sie sich mit Drogenhändlern, Betrügern und religiösen Extremisten angelegt und eine große Verschwörung aufgedeckt.

    Ein Gedicht rahmt die Erzählung ein

    Das ist klassischer Privatdetektivstoff, der zunächst scheinbar genregemäß erzählt wird: Die Ermittlerin ist die Ich-Erzählerin, die im Rückblick schildert, was passiert ist. Allerdings trägt „Drag Cop“ im kanadischen Original den Untertitel „a postmodern mystery“, und was das heißt zeigt sich vor allem in der hinreißenden, narrativen Struktur dieses Romans.
    Die Erzählerin ordnet das Geschehen und macht diese Ordnung sichtbar. Sie diskutiert Krimi-Regeln, um gegen sie zu verstoßen oder sich an sie zu halten. Sie deutet voraus oder erwähnt, dass sie nun die Perspektive wechseln muss, damit die Lesenden erfahren, wie sich ihre streng gläubige, sehr heterosexuelle Cousine mit religiösen Fanatikern anlegt. Dazu flicht sie Textbezüge, Anspielungen und Fußnoten ein, in denen sie ganze Diskurse zu allen möglichen Themen pointiert zusammenfasst. Gerahmt wird die gesamte Erzählung von einem Gedicht.

    Schnodderige Sprache, hinreißende Nebenfiguren

    Zusammen mit der schnodderigen Sprache, hinreißenden Nebenfiguren, einer unwiderstehlichen Katze namens Fuckwit und sehr vielen Absurditäten ist „Drag Cop“ ein ziemlich bunter Spaß, bei dem vieles so beiläufig, regelrecht anheimelnd wirkt, als sei dies ein gemütlicher LGTBQI-Krimi aus Kanada.
    Sobald man jedoch genauer hinsieht, entdeckt man, dass es um mehr als erstklassige Unterhaltung geht: Die Erzählweise, die Kommentare und ruppigen Sprüche spiegeln die Sicht der Erzählerin auf ihr Leben wider – auf die Ungerechtigkeiten, den Hass, den Sexismus und die Gewalt, mit der sie im Alltag konfrontiert wird.
    Es ist ihre Strategie, mit den Härten und den Diskriminierungen umzugehen, die sie und ihre Freund*innen erfahren. Um nicht an ihnen zugrunde zu gehen. Und das macht „Drag Cop“ zu einem sehr schlauen Lesevergnügen.

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