Doping-Vorwürfe sind "völlig abwegig"

Der ehemalige Präsident des 1. FC Köln Wolfgang Overath © picture alliance / dpa / Rolf Vennenbernd
09.08.2013
Niemand habe sich mit Doping beschäftigt, sagt Wolfgang Overath über seine Zeit als Fußball-Nationalspieler in den 60er- und 70er-Jahren. Die Gerüchte und Verdächtigungen seien haltlos und würden dem Fußball schaden.
Jörg Degenhardt: Endlich, endlich geht es wieder los. Die Fußball-Bundesliga startet heute Abend mit dem Klassiker FC Bayern München gegen Borussia Mönchengladbach in die neue Saison. Es ist nicht irgendeine, sondern die vor der nächsten Weltmeisterschaft und die 51. überhaupt. Die Bundesliga ist längst eine Marke, weltweit bekannt und geschätzt. Das deutsche Champions League-Finale in Wembley hat da noch eins draufgesetzt. Dabei hat die Liga vor nunmehr 50 Jahren auch mal eher bescheiden angefangen. - Wolfgang Overath, einstiger Nationalspieler, Weltmeister 1974, war von Anfang an dabei. Gleich im ersten Jahr wurde er mit seinem 1. FC Köln deutscher Meister. Ich habe ihn gefragt, ob damals die Stadien auch schon so voll waren, oder ob man doch eher skeptisch auf die neue Liga schaute.

Wolfgang Overath: Das ist ja schon sehr, sehr lange her und so genau kann ich mich an viele Dinge auch nicht mehr erinnern. Aber die Bundesliga war von Anfang an etwas ganz neues und etwas ganz besonderes. Wir haben, glaube ich, im ersten Spiel in Saarbrücken gespielt, das war ausverkauft, und wir hatten fast immer, wo wir spielten, ausverkaufte Häuser. Es war so, dass diese Mannschaften, die vorher nur ihre Liga im Süden, im Westen und im Norden hatten, dass die jetzt alle in einer Liga spielten, und das war schon eine Sensation und das wurde auch von den Zuschauern oder von den Fans so gesehen und deshalb strömten sie auch alle dahin.

Degenhardt: Die Bundesliga, sie brummt. Mitunter fragt man sich, Herr Overath, wo soll das noch hinführen, wann ist der Zenit erreicht. Nennen Sie uns das Erfolgsgeheimnis der Bundesliga. Sind es die Fans, ist es das Fernsehen, oder sind es vielleicht die Spieler, die neuen Stars, die über die Jahre gekommen sind?

Overath: Ich glaube, da kann man sicher nicht nur einen Grund erwähnen. Der Fußball war auch schon vor unserer Zeit, also vor Beginn der Bundesliga, glaube ich, schon der Sport der Mengen und Massen in Deutschland, und er hat sich dann weiter entwickelt. Fußball ist der Sport Nummer eins in Deutschland mit weitem Abstand, er ist wahnsinnig interessant, er wird gut von Ihnen und Ihren Kollegen auch verkauft. Das muss man sagen. Aber der alles entscheidende Grund ist sicher, dass Fußball für die Deutschen, glaube ich, etwas besonderes war und durch diese neuen Stadien, die wir dann 2006 bekommen haben bei der WM, dadurch ist das ganze noch viel interessanter geworden und es ist heute ja wunderbar, in einem Stadion zu sitzen. Das ist ein Event, das ist alles vom feinsten. Ich kann mich erinnern, zu Beginn der Bundesliga, wenn wir dann in Köln in der Hauptkampfbahn spielten, da waren die Leute 100 Meter weiter weg und das war alles ganz, ganz viel anders, aber es war schön. Aber das heute ist natürlich viel, viel schöner und viel, viel besser.

Degenhardt: Bayern München gegen Borussia Mönchengladbach - das waren die großen Kontrahenten der 70er-Jahre, die jeweils für verschiedene Modelle standen: hier ergebnisorientierter, manchmal auch etwas langweiliger Fußball, auf der anderen Seite die sogenannte Fohlenelf mit ihrem mitreißenden Angriffsspiel. Sehen Sie heute noch eine vergleichbare Konstellation zwischen Bayern und in dem Fall jetzt Borussia Dortmund? Oder ist Dortmund längst wie Bayern?

Overath: Das sind mit Sicherheit die beiden überragenden Mannschaften in der Bundesliga zurzeit. Aber das schöne an der Bundesliga - und das wird sich sicher auch in dieser neuen Saison zeigen - wird sicher so sein, dass Dortmund auch irgendwo bei einem schwächeren Verein, möglicherweise in Freiburg oder in Bremen oder so, auch verlieren kann, und die Bayern vielleicht auch. Das ist ja der Reiz der ganzen Geschichte. Zwar sind die überragend, die beiden Teams, haben wirklich super Arbeit geleistet, in Dortmund und auch in Bayern, und für die anderen wird es schwer und wird es immer schwerer, an die irgendwo heranzukommen, aber das schöne im Fußball ist, es muss zuerst gespielt werden und dann kann man sehen, ob man gewonnen hat oder nicht. Viele haben schon vor den Spielen gedacht, es ist gewonnen, und Gott sei Dank - und so ist das im Fußball - kann man das erst immer nach 90 Minuten sagen.

Degenhardt: Aber steht uns nicht mittelfristig eine gewisse Langeweile bevor, wenn wir nur zwei Mannschaften haben und die anderen haben überhaupt nicht die Chance, überhaupt einzugreifen im Titelkampf? Das sind ja dann spanische Verhältnisse, da gibt es auch nur den FC Barcelona und Real Madrid.

Overath: Vielleicht sollte man einmal abwarten, wie die Saison läuft. Die Gefahr besteht, dass die beiden Mannschaften vielleicht so stark sein werden, dass der Abstand zu den beiden zu groß werden könnte. Aber da bin ich mir eigentlich nicht ganz sicher und ich würde vielleicht einmal sagen, wir reden im nächsten Jahr noch einmal darüber, dann kann man vielleicht sich ein Urteil erlauben. Im Moment besteht eine gewisse Gefahr, aber entschieden ist noch nichts.

Degenhardt: Eine Frage muss ich leider noch stellen. Gerade in diesen Tagen gibt es eine sehr intensive und hitzige Diskussion über das Doping im deutschen Spitzensport. Muss sich auch der Fußball, Herr Overath, hinterfragen lassen, oder finden Sie Vorwürfe in diese Richtung völlig abwegig?

Overath: Ich kann ja nur für meine Zeit mich dazu äußern, und da finde ich es völlig abwegig. Ich war 22 Jahre, wie ich in die Nationalmannschaft gekommen bin zur WM in England, und für mich war Doping - das ist, glaube ich, 50 oder wie viele Jahre ist das her. Ich hatte überhaupt keine Vorstellung. Es hat sich überhaupt keiner mit Doping beschäftigt. Deshalb finde ich es besonders schlimm, dass heute einfach so pauschal und anonym gesagt wird, da wurde '66 gedopt. Das finde ich ganz schlimm, das schadet dem Fußball. Und wenn einer so etwas sagt, dann muss er auch bereit sein, Ross und Reiter zu nennen. Dann kann man mit diesen Leuten über diese Geschichte diskutieren. Für mich - und ich glaube, da kann ich auch für viele in diesem Team damals '66 reden - war Doping ein Ding, wo sich, glaube ich, kein Fußballer mit beschäftigt hat, und ich glaube und hoffe auch, dass es heute genauso ist.

Degenhardt: Wolfgang Overath, Bundesliga-Legende, Fußball-Weltmeister 1974, Kölner Idol. Vielen Dank für das Gespräch, und dann hoffen wir mal auf eine Saison der angenehmen Überraschungen und dass in der nächsten der 1. FC Köln wieder mit dabei ist.

Overath: Danke Ihnen sehr! Alles Gute.

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