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Frühkritik | Beitrag vom 07.07.2017

Don Winslow: "Corruption"Wenn der Jäger zum Gejagten wird

Von Thomas Wörtche

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Cover: "Corruption" von Don Winslow, im Hintergrund: Die Skyline von New York, wo der Thriller spielt. (Droemer / imago stock&people)
Cover: "Corruption" von Don Winslow, im Hintergrund: Die Skyline von New York, wo der Thriller spielt. (Droemer / imago stock&people)

Korrupt, bestechlich, brutal: Detective Sergeant Denny Malone ist ein "dirty cop" der übelsten Sorte - doch er wird selbst zum Gejagten. Mit "Corruption" hat Don Winslow eine Art "Best of" der Cop-Novels der letzten Jahrzehnte vorgelegt.

Die "Manhattan North Special Task Force" ist die härteste Truppe im New York Police Department, und Detective Sergeant Denny Malone ist der härteste der Harten. Er ist, wie alle seine Kollegen, aber auch ein "dirty cop". Er nimmt Geld von der Mafia, steckt unter einer Decke mit schmierigen Anwälten, hat Arrangements mit den Drogenlords seines Bezirks und hat schon eine beträchtliche Summe Geld beiseite geschafft. Dafür räumt die Task Force sehr robust auf – mit Kleinkriminellen, "normalen" Dieben und Mördern, mit Durchgeknallten und solchen, die sich nicht an die Regeln der Straße halten. Weil das Einsatzgebiet von Malones Leuten auch Harlem ist, kommt es des Öfteren zu "rassistischen" Zwischenfällen.

Malone muss alle verraten

Die wichtigste Tugend der Cops ist der Corps-Geist, sie sind eine "Band of Brothers" und ihr King ist Sgt. Malone, der Unberührbare. Aber das Unvorstellbare passiert: Malone erschießt aus persönlichen Gründen einen Großdealer, was einen Bandenkrieg provoziert und gleichzeitig die Politik auf den Plan ruft, die – wie alle paar Jahre – gerade eine "saubere" Polizei auf der Agenda hat. Malone gerät unter Druck und muss sie alle verraten: seine Polizei-Kumpels, seine Geschäftspartner. Alle sind sie hinter ihm her, die Kollegen, die Dienstaufsicht, die Staatsanwaltschaft, das FBI und die Gangs.

Er will heroisch alle beschützen, die ihm lieb und teuer sind – seine Ex-Frau und sein Kind und seine drogensüchtige Geliebte. Und er muss lernen, dass er zwar ein "dirty cop" ist, aber alle die, die ihn hetzen, noch viel schlimmer sind. Alle sind interessengeleitet, alle sind korrupt, alle nur auf ihren Vorteil aus, den hehren Grundsätzen (die nur politische Rhetorik sind) zum Trotz.

Don Winslow produziert clever gemachte Action

Das alles sind Standardsituationen des Genres "Cop Novel" und Winslows Epos ist eine Art Sampling – die Echos von Joseph Wambaugh, was die oft bizarren Straßenepisoden betrifft, von Bob Leuci, dessen Polizeiromane thematisch ähnlich gelagert sind, von Jerome Charyn, für den die Verflechtungen von Polizei, Organisierter Kriminalität und Politik, zu den selbstverständlichen Konstellationen des Big Apple gehören - und von anderen einschlägigen Narrativen mehr. Ein "Best of ..." aller ernstzunehmenden Cop-Novels der letzten drei, vier Jahrzehnte, sozusagen. Ein massiver Panorama-Holzschnitt mit clever gemachter Action.

Don Winslow: "Corruption"
Aus dem Amerikanischen von Chris Hirte
Droemer, München 2017
541 Seiten, 22,95 Euro

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