Zum Tod von Dolly Parton

Vom armen Mädchen zur Country-Ikone

Dolly Parton steht mit einer Gitarre auf einer Bühne.
Verkaufte mehr als hundert Millionen Alben: US-Musikerin Dolly Parton (2024) © picture alliance / ASSOCIATED PRESS / Timothy D. Easley
Von Kerstin Poppendieck |
Sie galt als die Königin der Countrymusik. Doch die US-Amerikanerin Dolly Parton war viel mehr: Schauspielerin, Buchautorin, Stilikone, Geschäftsfrau und Philanthropin. Nun ist sie im Alter von 80 Jahren gestorben.
Geboren am 19. Januar 1946 in Locust Ridge/Tennessee wuchs Dolly Parton mit ihren Eltern und elf Geschwistern in einer Ein-Raum-Hütte in den Bergen auf. Geld war immer knapp in ihrer Familie. Parton begann schon früh, Musik zu machen. Mit sechs sang sie in der Kirche, mit acht spielte sie Gitarre und trat im Radio und Fernsehen auf. Ihre ersten professionellen Studioaufnahmen machte sie mit 13. Das war der Beginn einer einzigartigen Karriere als Musikerin.
Dolly Parton hat sich nie für die Verhältnisse geschämt, in denen sie aufgewachsen ist. Im Gegenteil, sie hat sie in einem ihrer bekanntesten und für sie wichtigsten Lieder thematisiert: „Coat Of Many Colors.“

Die Dinge, die wirklich wichtig sind

Parton: „Ich bezweifle, dass ich jemals ein Lied schreiben werde, das mir mehr bedeutet als ‚Coat Of Many Colors‘, denn darin geht es um Familie, es geht um meine Mama, es geht um Mobbing, es geht um Akzeptanz und um Vielfalt. Es geht um all die Dinge, die wirklich wichtig sind. Aber damals wusste ich das noch nicht.“
Zu Beginn ihrer Karriere hatte es Dolly Parton nicht leicht, als Künstlerin ernst genommen zu werden. Ihr grell geschminktes Gesicht, die blonde Perücke und ihre kurvige Figur erregten Aufsehen, aber nicht unbedingt Respekt. Sie wolle unbedingt auffallen, hat sie mal gesagt, und: Es koste viel Geld, so billig auszusehen.

„Das Showgeschäft ist ein Witz“

Dolly Parton: „Es ist eine bewusste Entscheidung. Ich mag es nicht, wie alle anderen zu sein. Also habe ich beschlossen, dass ich etwas tun würde, das Aufmerksamkeit erregt. Ich dachte: Sobald Menschen den Schock über mein Aussehen überwunden haben, werden sie schon erkennen, dass mehr in mir steckt. Ich bin sehr real, und zwar da, wo es darauf ankommt: im Inneren. Das Showgeschäft ist ein Witz, mit dem man Geld verdienen kann. Und es hat mir einfach immer Spaß gemacht, Witze zu erzählen.“

Eine Million Dollar für einen Corona-Impfstoff

1974 gab es eine Nacht, die Dolly Partons Leben für immer veränderte. In dieser Nacht schrieb sie zwei Lieder: „Jolene“ und „I Will Always Love You“. Beide wurden zu Welthits. Und dann sang Whitney Houston 1992 „I Will Always Love You“ und das Lied wurde zu einem der erfolgreichsten Songs aller Zeiten. Von da an hatte Dolly Parton finanziell ausgesorgt, denn sie hatte die Rechte an dem Song immer behalten. Sie eröffnete Vergnügungsparks mit dem Namen „Dollywood“, schrieb Bücher und gründete eine Organisation, die Kinder unterstützt, lesen zu lernen. Während der Coronapandemie spendete Dolly Parton über eine Million Dollar, um die Forschung für einen Impfstoff voranzutreiben.
Vor allem in den USA ist Dolly Parton eine Ikone. Immer freundlich, respektvoll, positiv und auf charmante Weise eigen – so wurde sie dort gesehen. Wenn sie zum Beispiel erzählte, dass sie immer komplett geschminkt und mit Perücke ins Bett ging. Es hätte ja ein Erdbeben geben können, und darauf wollte sie vorbereitet sein. Aus der Politik hielt sie sich raus, auch private Skandale gab es keine. Dolly Parton war clever – in vielerlei Hinsicht. Und sie war eine Feministin, lange bevor der Begriff präsent wurde, und thematisierte immer wieder Frauen und fehlende Gleichberechtigung in ihren Liedern.

Parton schrieb 25 Nummer-1-Hits

Dolly Parton steht vor allem für Country-Musik, aber sie hat auch ganz bewusst Popsongs geschrieben, um ein so großes Publikum wie möglich zu erreichen. Im Laufe ihrer Karriere schrieb sie 25 Nummer-1-Hits, verkaufte mehr als hundert Millionen Alben, gewann Grammys, hat gleich zwei Sterne auf dem Walk of Fame in Hollywood und ist Mitglied der Country Music Hall of Fame und der Rock and Roll Hall of Fame. Keine Musikerin hat die Country-Musik der USA so sehr geprägt wie Dolly Parton.
Parton: „Oh, ich bin kein Genie. Das liegt mir einfach im Blut. Und ich habe ein Talent fürs Reimen. Ich sage immer im Scherz: Ich habe mindestens 3000 Songs und davon drei gute. Ich könnte nicht aufhören, Lieder zu schreiben, selbst wenn ich wollte. Das gehört zu mir wie das Auftragen meines Make-ups, und ich hoffe, dass ich das bis zu meinem Tod tun kann, der hoffentlich noch weit, weit weg ist.“
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