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Kompressor | Beitrag vom 06.11.2017

Dokumentarfilm über den Avantgardekünstler Werner Nekes"Er hat die Dinge mit den Augen eines Kindes gesehen"

Ulrike Pfeiffer im Gespräch mit Stephan Karkowsky

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Die Regisseurin Ulrike Pfeiffer in Köln auf dem roten Teppich vor dem Screening des Films Werner Nekes - Ein Leben zwischen den Bildern beim Film Festival Cologne 2017. (imago stock&people)
Die Regisseurin Ulrike Pfeiffer beim Screening ihres Films beim FilmFestival Cologne 2017. (imago stock&people)

Sehmaschinen, optische Theater und andere Spektakel. So versuchte der Filmemacher Werner Nekes seinen Studenten Film zu erklären. Ulrike Pfeiffer erklärt nun Werner Nekes - mit den Mitteln des Films: "Werner Nekes. Das Leben zwischen den Bildern" kommt am Donnerstag in die Kinos.

Werner Nekes' Filme seien eine Herausforderung für den Betrachter, sagt die Filmemacherin Ulrike Pfeiffer. Denn man müsse sich darauf einlassen, überhaupt zu erkennen, was dort geschehe. "Es gibt natürlich keine Geschichte, keine narrativen Momente in den Filmen." Stattdessen seien Einzelbilder und Mehrfachbelichtungen zu sehen. Als Nischenkunst sind Nekes' Arbeiten einem breiteren Publikum kaum bekannt. Dabei war der im Januar verstorbene Regisseur einer der bedeutendsten zeitgenössischen Experimentalfilmemacher.

Ein Sammler von "Sehmaschinen"

Ulrike Pfeiffer fängt Feuer, als sie 2005 eine Ausstellung der Sammlung Nekes von historischen Sehmaschinen, optischen Theater und anderen Spektakeln im Altonaer Museum filmisch und fotografisch dokumentieren soll. "Da war für jeden etwas dabei: Für Wissenschaftler, Künstler, Filmemacher und Kinder. Besonders überraschend war, dass die Kinder die optischen Täuschungen viel schneller entschlüsseln konnten als die Erwachsenen, weil die Kinder noch ganz offen sind und die Dinge ohne Vorureile ansehen", erinnert sich die Filmemacherin. "Werner Nekes sagte immer: 'Die Kinder lassen die Bilder in ihre Augen hineinfließen.' Diese Sichtweise hat er sich auch selbst bewahrt. Er hat die Dinge mit den Augen eines Kindes angesehen."

Vor etwa zwei Jahren begann Pfeiffer ihre Beschäftigung mit Nekes zu einem Dokumentarfilm auszuweiten. Darin führen Weggefährten wie Helge Schneider und Alexander Kluge durch Nekes' Werk und Wirken. Auch Nekes selbst konnte den Film vor seinem Tod noch sehen.

"Wir haben ihm den Film im Krankenhaus gezeigt. Wir sind mit einem großen Monitor hingefahren, Ursula Richert-Nekes, seine jetzige Frau, hat einen Seminarraum organisiert, wo wir den Film in Ruhe anschauen konnten - den er sehr mochte."

(sel)

Ulrike Pfeiffers Film "Werner Nekes. Das Leben zwischen den Bildern" läuft ab 9. November im Kino.

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