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Interview | Beitrag vom 04.07.2019

Dokumentarfilm "Erde" Von der Schönheit der Zerstörung

Nikolaus Geyrhalter im Gespräch mit Axel Rahmlow

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Filmstill aus "Erde" des Filmemachers Nikolaus Geyrhalter (@NGF)
Mit voller Kraft: Baggerarbeiten in Italien, wie "Erde" sie zeigt (@NGF)

In wuchtigen Bildern erzählt der Filmemacher Nikolaus Geyrhalter davon, wie der Mensch sich in seiner Sucht nach Ressourcen immer tiefer in die Haut der Erde gräbt. Ein beeindruckender Film, der die großen Fragen stellt.

Es sind beeindruckende Bilder, die der Dokumentarfilm "Erde" zeigt - Bilder von Bohrungen oder Baggerarbeiten in gigantischem Ausmaß. Einfache und klare Bilder, die zeigen, mit welcher Wucht der Mensch die Erde bearbeitet.

"Das ist beeindruckend", sagt der Regisseur Nikolaus Geyrhalter rückblickend über die Dreharbeiten. Sie hätten versucht, diese Räume auf eine Art ins Kino zu transformieren, dass das Publikum diese Räume wahrnehmen kann, sie spüren kann, sagt der Filmemacher. Denn in der Zerstörung liege auch eine gewisse Schönheit. 

Der Film werfe die ganz großen Fragen auf, sagt er: "Wie viel dürfen wir konsumieren? Wo nehmen wir unsere Rohstoffe her? Wie viel Natur lassen wir übrig?" Und schließlich: Wie soll es weitergehen? In 200 oder 300 Jahren, wenn man seinen Film aus einem Archiv ausgrabe, werde man sich an den Kopf fassen.

"Aber jetzt stehen wir mittendrin und jetzt ist das eine Momentaufnahme, aus der wir nicht herauskommen. Und wir scheinen von all diesen Dingen abhängig zu sein." Auch ohne erklärenden oder kommentierenden Off-Text habe der Film eine eindeutige Haltung dazu, "aber es ist trotzdem so, dass sich das Publikum eine eigene Sicht der Dinge erarbeiten muss."

Wuchtig und filigran zugleich 

Die Dreiheit Natur - Mensch - Maschine ist dem Filmemacher dabei besonders wichtig, die Maschine, die "es dem Menschen ermöglicht, die Natur zu bezwingen." Riesige Maschinen, mit denen sich große Flächen bearbeiten lassen, während gleichzeitig das Bedienen der Maschinen eine sehr filigrane Sache ist. "Diese Ambivalenz hat mich sehr interessiert", sagt Geyrhalter.

"Erde" 
Dokumentarfilm
Regie: Nikolaus Geyrhalter
Deutschland 2019, 115 Minuten

(inh)

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